Kultur : Jüdisches Museum: Blumenthal: Ein "Museum für Deutsche"

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Ein "noch nie gesehenes Besuchererlebnis" wird nach Aussage W. Michael Blumenthals das künftige Jüdische Museum in Berlin dem Publikum bieten, doch werde es eher deutsche Geschichte als "jüdische Kulturgegenstände" zeigen, weshalb sein Name missverständlich sei. "Das ist kein Museum für Juden. Juden brauchen so ein Museum nicht. Das ist ein Museum für Deutsche," sagte der Museumsdirektor vor dem Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Bei aller Einzigartigkeit beziehe das Museum sich auf Vorbilder: das Holocaust Memorial Museum in Washington, das Diaspora-Museum in Tel Aviv, das neuseeländische Nationalmuseum Te Papa, das Bonner Haus der Geschichte. Der Personalstand wachse wahrscheinlich noch auf 110 Mitarbeiter. Falls ein Teil der für 2001 veranschlagten 28 Millionen DM ausbliebe, bestehe die Gefahr, dass der außergewöhnliche Libeskindbau nur mit einer bescheidenen Schau eröffnen könne. Abgeordnetenfragen nach der Transparenz der Museumskonzeption, nach der Kooperation mit anderen Museen und der Abgrenzung zu Gedenkstätten begegnete Blumenthal mit der Bitte, ihm zu vertrauen. Im Altbau solle eine erste Wechselausstellung Geschichte und Funktion jüdischer Museen reflektieren. An den Achsen im Untergeschoss werde jener gedacht, die vernichtet wurden oder ins Exil gehen mussten: Dieser Bereich falle aus der Chronologie der historischen Dauerausstellung heraus, sei aber keine Gedenkstätte. Sollten die nötigen 10 Millionen DM für technische Umbauten am kommenden Mittwoch verweigert werden, platze der Eröffnungstermin 9. / 10. 9. 2001. Kultursenator Christoph Stölzl betonte, mit der hundertprozentigen Übernahme der Museumskosten durch den Bund ab 2001 sei über die künftige Rechtsform des Institiuts noch nichts entschieden. Das Ausstellungskonzept solle bald von der Fachöffentlichkeit "ausgeleuchtet" und "abgefedert" werden. Auf die Eröffnung dieses ehrgeizigen Museums, das angesichts der verwöhnten Berliner und der spektakulären Vorgaben der Festspiele offenbar "noch eins draufsetzen" wolle, "freuen wir uns".

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