Jüdisches Museum : Eine Laubhütte für die Lindenstraße

Mit einem Kammerkonzert hat das Jüdische Museum Museum Berlin seinen neuen Glashof eingeweiht, der den großen Platzmangel des Hauses lindern soll. Architekt Libeskind nennt den Neubau einen "lebendigen Organismus".

Ralf Schönball
Libeskind
Stararchitekt Daniel Libeskind inmitten seines Neubaus. -Foto: ddp

Hell ist es an diesem regnerischen Herbsttag im neuen Glashof des Jüdischen Museums. Das graue Licht trübt die Stimmung nicht, denn es strahlt ein Star: Architekt Daniel Libeskind, der vielleicht berlinischste unter den kosmopolitischen Baumeistern von Rang, schart Fotografen und Kamerateams um sich. Und er redet, ja er schwärmt für diesen Raum und dessen Ursprung aus dem Geiste der Sukkah, der Laubhütte, als sei er selbst ein überwältigter Gast – und nicht dessen Schöpfer.

Der neue Glashof fasst die Rückseite des barocken Kollegienhauses von Philipp Gerlach an der Lindenstraße ein. Er ist die Antwort der Museumsleitung auf den „großen Platzmangel“, unter dem das Haus seit der Eröffnung im Jahr 2001 leidet. Von über 3000 Besucher an manchen Tagen berichtet Museumschef Michael Blumenthal. Der Glashof entlaste den Eingangsbereich. Er wird dem Haus auch zusätzliche Veranstaltungen erlauben – doch Blumenthal mag nicht einmal eine „Erweiterung nach dieser Erweiterung“ ausschließen.

Die feierliche Eröffnung gestern Abend sollte zeigen, was möglich ist: Ein Kammerkonzert von Elena Bashkirova und dem Jerusalem Chamber Music Festival Ensemble in einem Glashof – eine Herausforderung für jeden Akustiker. Doch Libeskind, der den Neubau einen „lebendigen Organismus“ nennt, versichert, er habe die transparente Hülle mit modernster Technik ausgestattet.

Von der vielen Technik ist nicht viel zu sehen. Das ist ein gelungener Kunstgriff: Sie ist versteckt in vier Stahlträgern, die mäandernd zur Glasdecke emporsteigen. Deren Scheiben sind filigran eingefasst. Dadurch ist die äußere Hülle des früheren Kammergerichtes kaum verdeckt. Glasbedeckte Innenhöfe wie diesen kennt man etwa vom Deutschen Historischen Museum. Die Besonderheit an der Lindenstraße ist der weite freie Blick in den Museumsgarten und über ihn hinaus in den Himmel über Berlin.

„Das war keine billige Angelegenheit“, sagt Michael Blumenthal. Acht Millionen Euro kostete der Glashof. Zwei Drittel der Gelder kamen von Spendern, für die am Abend eine Tafel enthüllt werden sollte.

Für Libeskind ist es eine Rückkehr nach Berlin: Hier hat er 13 Jahre gelebt, bis er den Wettbewerb für die Neubauten am „Ground Zero“ gewann und nach New York zog. Der Kontakt mit Berlin brach nie ab: „Und mein Sohn wird am 13. Oktober seine Hochzeit hier im Museum für seine Berliner Freunde nachfeiern“, sagt Libeskind. Denn zum Feiern ist dieses Haus auch bestimmt: Mit der „Sukkah“ griff Liebeskind das Motiv des Laubhüttenfestes „Sukkot“ auf, das des Auszugs der Juden aus Ägypten gedenkt. Ralf Schönball

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