• Jürgen Trittin: Den Streit genossen - Kanzler und Umweltminister kennen sich aus Niedersachsen - und haben sich schon dort aneinander gerieben

Kultur : Jürgen Trittin: Den Streit genossen - Kanzler und Umweltminister kennen sich aus Niedersachsen - und haben sich schon dort aneinander gerieben

Klaus Wallbaum

Für Gerhard Schröder sind die Ausfälle Jürgen Trittins nichts Neues. Schon Anfang der neunziger Jahre saßen beide Politiker an einem Kabinettstisch, nämlich in der Landesregierung in Hannover. Schon damals fiel Trittin aus der Rolle, und schon damals grenzte sich Schröder von ihm ab. Nur schien es seinerzeit so, als würden beide ihren Streit sogar genießen.

Nach dem Wahlsieg Schröders 1990 in Niedersachsen wurde eine rot-grüne Regierung gebildet, und Trittin übernahm das Amt des Bundesratsministers, das ihm vor allem in Bonn Einfluss und Auftrittsmöglichkeiten gab. Trittin galt als Kopf der Grünen in der Koalition, und obwohl Schröder zu ihm keine besonders engen Beziehungen knüpfte, respektierten sich beide. Trittin hatte die Aufgabe, die seinerzeit noch stark fundamentalistisch geprägte Basis der Grünen mit starken Sprüchen zu begeistern. Das Vorbild sollte der Basis beweisen: Seht her, das ist jemand, der trotz seines Ministeramtes radikal denkt.

Die Rechnung ging auf: Obwohl die Grünen große Probleme mit der rot-grünen Landesregierung hatten, als es um die Emsvertiefung für die Meyer-Werft ging, um den Bau einer Mercedes-Teststrecke, um die Planung der Expo oder den von Schröder gebilligten Verkauf von U-Booten nach Taiwan, hielt die Koalition bis 1994. Dies wurde vor allem als Verdienst Trittins gesehen, der die Parteilinke stets wieder habe an das Regierungsbündnis binden können. Vor der Landtagswahl 1994 kam es dennoch immer öfter zu Spannungen zwischen der SPD und Trittin.

Der Minister provozierte immer wieder. So behauptete er, der Asylkompromiss habe den Ausländerhass gefördert. Dass Trittin in diesem Zusammenhang die Morde in Solingen von 1993 erwähnte, brachte die CDU und große Teile der SPD zur Weißglut. Dann verglich er den Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba mit dem iranischen Revolutionsführer Khomeini, weil beide ähnlich fundamentalistisch argumentierten. Dies nahm die CDU zum Anlass für einen Missbilligungsantrag. Der damalige SPD-Fraktionschef Bruns ging deutlich auf Konfrontation zu Trittin - mit Schröders Rückendeckung.

Doch der Konflikt kam Schröder auch gelegen: Er konnte sich, indem er von Trittin abrückte, als Staatsmann der Mitte präsentieren und zugleich den Genossen vermitteln, dass er bei einem so schwierigen Minister wenigstens von ihnen Rückendeckung brauchte.

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