• Jugenbuch: Terror im Klassenzimmer: Täter unter uns Der Amokläufer weiß mehr als dein Freund

Jugenbuch : Terror im Klassenzimmer: Täter unter uns Der Amokläufer weiß mehr als dein Freund

Was ist wirklich passiert?“, das wollen Mark, Fiona und Herr Filler erklären.

Hanna Widmann
Foto: Beltz & Gelberg

Wie konnten die Sicherheitsvorkehrungen versagen? Wie kam es zu dem desaströsen Amoklauf an ihrer Schule? Der Mathelehrer Herr Filler und zwei seiner Schüler, Mark und Fiona, schildern den Hergang der Tat. Autorin Lea-Lina Oppermann gibt in ihrem Debütroman „Was wir dachten, was wir taten“ Einblicke in das Innenleben einer Klasse unter Druck.

„Es ist ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem aufgetreten. Bitte bewahren Sie Ruhe.“ So scheppert es aus dem veralteten Lautsprecher im Klassenraum. Im ersten Moment geht Erleichterung durch den Klassenraum: Wegen der Warnung muss die Mathematik-Klausur unterbrochen werden. Doch als Fiona ihre Mitschüler informiert, dass die Floskel eine kodierte Warnung vor einem Amoklauf ist, kippt die Stimmung von Euphorie zu Hysterie. Die Tür zum Gang wird abgesperrt. Herr Filler hat das Gefühl, die Kontrolle über seine Klasse zu verlieren. Die Tür wird als Sicherheitsvorkehrung abgesperrt. Der Sturm soll ausgesessen werden, so die stille Übereinkunft. Der Amokläufer soll doch, bitteschön, eine andere Klasse wählen.

Ganz persönlicher Terror

Doch dann kommt das Unerwartete: Ein weinendes Mädchen hämmert verzweifelt an der Tür. Soll die Tür geöffnet werden? Soll man die Unbekannte retten? Die Idealistin Fiona überredet Mark, der für sie schwärmt, die Tür zu öffnen. Es ist aber nicht der erwartete moralische Sieg: Mut wird nicht belohnt – an der Tür steht nicht nur ein Mädchen, sondern auch der bewaffnete Amokläufer.

Im ersten Moment wollen alle plötzlich unsichtbar werden, erinnert sich Mark. Doch der Amokläufer lässt sie nicht. In minutiös vorbereiteten Briefchen – zehn an der Zahl – gibt er seinen Geiseln Anweisungen. Nichts für einen Außenstehenden besonders Grausames: Jemandem kräftig ins Gesicht zu spucken oder einen Burger zu essen, hat doch noch niemanden umgebracht. Doch die Anweisungen sind maßgeschneiderte Folter für gewisse Mitglieder der Gemeinschaft. Schon bald wird klar: Der Amokläufer kennt diese Klasse bis ins intimste Detail und hat damit vor, das zivilisierte Zusammenleben komplett aus den Angeln zu heben.

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten. Beltz & Geldberg, Weinheim 2017. 178 Seiten, 12,95 Euro. Ab 15 Jahren.

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