Kultur : Jugend und Holocaust: "Es gibt diese sehr intelligenten Kinder ..."

Herr Lustiger[wieder],woher nehmen Sie die Kraft[wieder]

Arno Lustiger, Historiker und Publizist, war von Februar bis April 1945 im Lager Langenstein-Zwieberge. Er musste trotz seiner Entkräftung nach der Haft in Auschwitz und Buchenwald Zwangsarbeit leisten. Heute besucht Lustiger die Gedenkstätte in Sachsen-Anhalt regelmäßig und stellt sich als Zeitzeuge in der Jugendarbeit zur Verfügung. Mit ihm sprach Amory Burchard.

Herr Lustiger, woher nehmen Sie die Kraft, wieder nach Langenstein zu kommen?

Ich frage mich das auch. Es kostet mich jedesmal sehr viel Kraft. Vielleicht sind es die Schuldgefühle gegenüber den Kameraden, die gestorben sind.

Was kann die Jugendarbeit einer KZ-Gedenkstätte leisten?

Mit dem richtigen pädagogischen Konzept viel: Sie kann die junge Generation über das Wesen des KZ-Systems aufklären.

Kann ein Besuch Schüler gegen neonazistisches Gedankengut immunisieren?

Eingeschworene Nazis kann man nicht erreichen. Aber auf andere könnte so ein Besuch so wirken, dass sie sich nicht von rechten Parolen beeindrucken lassen.

Zweifeln Sie am Sinn der Zeitzeugen-Gespräche?

Ich bin ein bisschen ratlos in der Frage, was es bringt. An solchen Gesprächen nehmen meistens junge Menschen teil, die es nicht nötig haben. Dann gibt es wieder diese sehr intelligenten Kinder, bei denen man gleich merkt: Das ist ein Nazi. Die stellen sehr geschickte Fragen zum Beispiel nach dem Vergleich mit dem Lagersystem in der Sowjetunion.

Sollten Gedenkstätten-Besuche für Schüler obligatorisch sein?

Auf keinen Fall. Was befohlen wird, wird nicht angenommen.

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