Jugendroman über Drohnen : Das dritte Auge

Ursula Poznanskis „Elanus“ – ein atemberaubender Thriller über Drohnen und die Folgen des Ausspähens.

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Nicht jeder will beim Baden beobachtet werden. Dieses Foto wurde mit einer Drohne aufgenommen.
Nicht jeder will beim Baden beobachtet werden. Dieses Foto wurde mit einer Drohne aufgenommen.Foto: Patrick Pleul / dpa

Jona hat ein Problem. Er „begriff wieder einmal nicht, warum seine Intelligenz, die ihm im Alter von 17 Jahren ein Vollstipendium an einer Eliteuni einbrachte, ihn in ganz alltäglichen Situationen ständig im Stich ließ“, lässt Ursula Poznanski den Protagonisten ihres spannenden Romans „Elanus“ an sich selbst zweifeln. Ja, er ist ein Überflieger, im wahrsten Sinne des Wortes – und er kann die Klappe nicht halten, eine Eigenschaft, die Überflieger oft auszeichnet. Sie müssen ihrer Umwelt beweisen, wie toll sie sind. Und Jona ist wirklich toll – ein mathematisches Genie, das lässt er seine künftigen Kommilitonen, die alle deutlich älter sind als er, bei der ersten Gelegenheit spüren. Und auch den Professor, den er mit seinen verblüffenden Mathekenntnissen fast düpiert. So macht man sich keine Freunde.

Schwungvoll beginnt Ursula Poznanskis Thriller, der sich plötzlich in ungeahnte Dimensionen entwickelt. Jona ist bei einer Gastfamilie untergebracht, die nicht sonderlich sympathisch wirkt. Und den Direktor der Universität kann er trotz all seiner Bemühungen nicht sprechen. An seinem ersten Tag an der Uni lernt er Linda kennen, ein nettes Mädchen, zu dem er sich hingezogen fühlt; doch er ist in solchen Dingen nicht sehr geschickt. Immerhin bekommt er ihre Handynummer und kann ihr eine SMS schicken. Als sie ihm zurückschreibt, macht er einen Freudensprung. „Sie hat geantwortet, damit war die Spyware installiert, es konnte losgehen.“

Was, wenn die Drohne alles sieht?
Was, wenn die Drohne alles sieht?Foto: Loewe

Der kleine Nerd ist wirklich ein technisches Genie. Er hat Elanus entworfen, eine flache Drohne – wie eine Frisbeescheibe –, mit Kamera natürlich. Er kann sie von seinem Laptop aus steuern, indem er einfach eine Handynummer eintippt und die Drohne wie eine Brieftaube aus dem Fenster wirft. Elanus sucht sich ihr Ziel und sendet von unterwegs Bild und Ton – ein perfektes Spionage-Instrument, das dem Signal eines eingeschalteten Handys folgt. Die Drohne ist Jonas ganze Leidenschaft. Sie kann ungefähr eine halbe Stunde lang fliegen und legt im Notfall den Rückwärtsgang ein, um pünktlich zu ihm zurückzukehren. Elanus ist Jonas drittes Auge.

Der junge Student nutzt die Drohne natürlich aus, um Linda nachzuspionieren. Dabei macht er merkwürdige Entdeckungen, und Linda benimmt sich plötzlich abweisend. Daraufhin fasst Jona einen folgenschweren Entschluss: Er platziert bei Linda und Marlene, einer weiteren Kommilitonin, einen Text, der für Aufregung sorgen wird. Ein harmloser Spaß, wie Jona denkt. Und dann ist da noch Pascal, der Nachbarsjunge – schwach in Mathematik, aber eine treue Seele – der noch eine wichtige Rolle spielen wird.

„Elanus“ ist mehr als ein bloßer Campus-Roman mit arroganten Studenten und netten Studentinnen. Eines Tages ist nämlich der Professor, den Jona an seinem ersten Tag so verblüfft hat, tot – erhängt. Und keiner weiß warum. Plötzlich entwickelt sich „Elanus“ zu einem waschechten Thriller; man möchte das dicke Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Raffiniert konstruiert Poznanski eine abenteuerliche, aber sehr logische Intrige, die einem die Sprache verschlägt. Geschickt verknüpft sie die zarte Liebesgeschichte von Jona und Linda mit dem immer undurchsichtiger werdenden Kriminalfall. Ganz nebenbei und ohne pädagogisch erhobenen Zeigefinger zeigt sich auch, was solch eine Spionagedrohne vermag, was ihre Licht- und Schattenseiten sind. Ursula Poznanski hat einen packenden Roman geschrieben, der nicht nur bei jugendlichen Lesern Zuspruch finden wird.

Ursula Poznanski: Elanus. Loewe Verlag, Bindlach 2016. 416 Seiten, 14,95 Euro. Ab 14 Jahren.

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