Kultur : Julian Nida-Rümelin im Interview: Bundeskulturstiftung ohne Budget?

Der scheidende Kulturstaatsminister Michael Nauman

Der scheidende Kulturstaatsminister Michael Naumann hat jetzt nochmals die Gründung einer Bundeskulturstiftung angekündigt. Was sagen Sie als sein designierter Nachfolger zu diesen Plänen?

Es ist schön zu hören, wie optimistisch Michael Naumann ist. In meinen ersten Gesprächen, die ich in Berlin geführt habe, stellt sich die Situation allerdings so dar, dass es zwar eine Haushaltsstelle für die Bundeskulturstiftung gibt, diese aber mit null Mark dotiert ist. Die konkrete Realisierung dieser Idee, die auf die Zeit von Günter Grass und Willy Brandt zurückgeht und die ich im Übrigen für sehr gut halte, ist tatsächlich noch völlig ungeklärt. Da gibt es noch sehr viel zu tun. Eine wichtige Funktion dieser Stiftung wird gewiss darin bestehen, die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privaten Kulturförderern auf ein neues Fundament zu stellen. Wie das im Einzelnen vonstatten gehen soll, muss aber ebenfalls erst geklärt werden.

Das heißt, wenn Naumann sagt, die Bundeskulturstiftung sei bei den Regierungsparteien quasi beschlossene Sache, trifft das nicht zu?

Natürlich hoffe ich, dass er sich nicht irrt. Es wäre schön, wenn die politische Grundsatzentscheidung für eine solche Stiftung, die finanziell so ausgestattet sein muss, dass sie einen wirklichen Handlungsspielraum hat, bald fallen könnte. Aber meine Gesprächspartner aus dem Parlament klingen da sehr viel skeptischer.

Stimmen Sie denn in den konkreten Vorstellungen mit Naumann überein? Er sagt, die Bundeskulturstiftung solle ähnlich organisiert sein wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ihren Sitz könne Sie möglicherweise in Weimar haben.

Ich trete mein Amt am 10. Januar 2001 an. Zwar habe ich ziemlich genaue Vorstellungen vom Profil der Stiftung. Aber solange ich nicht einmal mit meinen engsten Mitarbeitern darüber gesprochen habe, möchte ich mich öffentlich nicht darüber äußern. Das wäre schlechter Stil.

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