Kultur : Julian Nida-Rümelin im Interview: Gegen die Versäulung der Kulturpolitik

Die B,eskulturstiftung will "zeitgenössisch

Die Bundeskulturstiftung will "zeitgenössische Kunst im internationalen Kontext" fördern, was gleich im Vorfeld kritisiert wurde.

Es ist schon interessant, wie ein Konzept kritisiert wird, das ich bisher nicht veröffentlicht habe, weil ich vorher die Meinung der Bundesländer berücksichtigen wollte. Viele denken, wir wollten nur die Bildende Kunst fördern. Das ist nicht der Fall. Die Kulturstiftung der Länder fördert ja bereits Kunstankäufe für Museen; dazu bedarf es in der Tat keiner zweiten Stiftung. Aber es gibt eine zu starke institutionelle Versäulung, die zu einer Verkrustung der Kulturpolitik geführt und das kreative Potenzial vernachlässigt hat. Die Stiftung will mehr Spielraum ermöglichen und soll reine Projektförderung betreiben. Hinzu kommt - als Ergänzung der Kulturpolitik der Länder - eine spezifische Kompetenz des Bundes für den internationalen Kulturaustausch.

Ihnen liegt vor allem die innovative Kunst am Herzen. Aber gerade junge Künstler, Autoren und Dramatiker werden mit Preisen und Stipendien gut ausgestattet.

Die Stiftung wird keine Nachwuchs- oder Ausbildungsförderung betreiben. Aber es stimmt doch nicht, dass es etwa eine florierende junge Theaterszene gibt. Im Gegenteil: Die freie Theaterszene trocknet aus. Oder denken Sie an die zeitgenössische Musik: Auch da können wir internationale Kompositionsprojekte fördern.

Wie wird das Kind denn heißen: Bundeskulturstiftung oder Nationalstiftung für Kultur?

Das hängt von den Ländern ab. Wir streben keine Bundesstiftung parallel zur Kulturstiftung der Länder an, sondern wollen beide Stiftungen zu einer integrieren. Die hieße dann vernünftigerweise Nationalstiftung. Wenn keine Einigkeit hergestellt werden kann, wird es eine separate Bundesstiftung geben, allerdings mit einer Schnittstelle zur Kulturstiftung der Länder, damit mittelfristig eine Integration realisiert werden kann.

Die Länder haben ja bereits Kritik geübt. Norbert Lammert von der CDU gibt zu bedenken, dass die Stiftung als Zuwendungsstiftung auch künftig auf das Wohlwollen des Finanzministers angewiesen sei.

Es ist etwas Wahres dran. Natürlich wünsche auch ich mir, dass wir die Stiftung bei geeigneter Gelegenheit umstellen können und sie einen Kapitalstock bekommt, mit dessen Zinsertrag sie arbeiten kann. Dennoch sind 25 Millionen Mark für den Start im Jahr 2002 ausreichend, für die Planungssicherheit und eine dauerhafte Perspektive: Die Stiftung kann nicht mehr eingestellt werden. Mittelfristig sollte sie wie geplant mit 75 Millionen Mark dotiert sein, erweitert um zusätzliche private Mittel.

Sie haben im Zuge der Unterzeichnung des Hauptstadtkulturvertrags erwogen, dass die Sanierung der Museumsinsel ganz in die finanzielle Verantwortung des Bundes übergehen könnte - allerdings nur, wenn die Gelder anderweitig kompensiert werden. Stehen die nun vom Bund übernommenen Institutionen wie das Jüdische Museum oder die Festspiele damit wieder zur Disposition?

Nein. Berlin hat den Wunsch nach Kostenübernahme geäußert. Wir müssen sehen, ob auch die neue Regierung dieses Anliegen an uns heranträgt. Sollte der Bund die Finanzierung der Museumsinsel übernehmen, wird auch über Kompensation zu reden sein. Neben den im Hauptstadtkulturvertrag festgelegten gibt es weitere Bundesförderungen, die dafür in Frage kommen könnten. Den Berliner Anteil ohne Abstriche zu übernehmen, wird sich der Bund nicht leisten können.

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