Kultur : Jungsmäßig

Thomas Meinecke und Daniel Richter legen auf

Kai Müller

„Ich hoffe“, sagt der Maler Daniel Richter zum Abschied, „es hat Ihnen so wenig gebracht wie mir“. Da sind zwei in gemütlichem Plauderton verbrachte Stunden rum, die man gewiss sinnvoller hätte verbringen können. Aber auch interessanter? Spaß muss jedenfalls sein, es geht ja um nichts. Oder um fast nichts an diesem Abend im Berliner Hau 2, wo der Schriftsteller und Musiker Thomas Meinecke zum Auftakt seiner „Plattenspieler“-Reihe den Labelbetreiber Daniel Richter als Sparringspartner eingeladen hat. Die Idee ist simpel: Meinecke und sein Gast legen Platten auf und reden drüber (wieder im Juni). Wobei „das Banausige der Veranstaltung ist“, wie Meinecke bemerkt, „dass wir der Musik keine Chance lassen, da wir ja reden wollen“.

Das tun die beide denn auch „jungsmäßig“ – detailverliebt und unterhaltsam. Richter, als Maler ein Weltstar, reißt die Sache an sich. Meinecke lässt ihn gewähren. Denn er, selbst mehr ein Suchender, hat es mit einem Punk-Polemiker zu tun, der die Schätze aus seinem Plattenschrank mit einer Mischung aus Verachtung und Hingerissensein herauskramt. Richter hat früher Cover gestaltet und ist selbst unter die Plattenmacher gegangen, seit er am unabhängigen Hamburger Buback-Label beteiligt ist. Da haben auch F.S.K. von Meinecke ihre letzte CD veröffentlicht. Was der Begegnung etwas Vertrautes, aber auch Pikantes gibt.

In rasanter Folge werden Platten in den Diskurs geworfen, Songs angespielt und brutal beendet („1:33 muss auch reichen“). Worum es geht? Um die Frage, wie klug sich Musiker mit ihren beschränkten Mitteln auf die Welt beziehen. Wobei Richter den Kult ums Vinyl mit nüchterner Ironie verspottet. Vinyl stehe für eine Zeit, da Musik schwer zu bekommen war, sagt er und meint zum Beispiel Culturcides „Tacky Souvenirs of Pre-Revolutionary America“. Richter hat sie dabei. Fünf Typen brüllen eine Springsteen- Nummer nieder. In der Kunst wäre das eine Übermalung. In der Musik ist es ein Copyright-Vergehen. Kai Müller

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