Kaari Upson in der Galerie Sprüth Magers : Zisch und weg

"Meine Mama trinkt Pepsi": Die junge Künstlerin Kaari Upson schaut in der Galerie Sprüth Magers in die Abgründe der Konsumkultur.

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Pepsi im Schnee. Installationsansicht von Kaari Upsons My Mom Drinks Pepsi II, 2015.
Pepsi im Schnee. Installationsansicht von Kaari Upsons My Mom Drinks Pepsi II, 2015.Foto: © Kaari Upson. Courtesy of Friends of the High Line and Sprüth Magers. Photo by Timothy Schenck.

Kaari Upson sitzt auf einem Thron aus blau-roten Kartons. Wie eine Königin wacht sie mit ernster Mine über die Untertanen eines amerikanischen XXL-Supermarktes – kleine Menschen mit enormen Einkaufswagen, in die sie palettenweise laden, was sie zum Leben zu brauchen glauben. Pepsi Cola beispielsweise. Darin ähneln sie Upsons Mutter, die ihre Kindheit in Deutschlands verbrachte und sich doch immer in die Vereinigten Staaten von Amerika sehnte. Bis sie es schaffte in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, vor allem aber der Cola-Dosen, von denen sie so viele öffnete, dass die Tochter beim typischen Zischgeräusch des Verschlusses und dem gluckernden ersten Schluck schließlich beides empfand: ein Gefühl von Heimat und Überdruss.

In ihrer ersten Ausstellung in der Galerie Sprüth Magers (Oranienburger Straße 18, bis 14. Januar) bringt die junge Künstlerin diesen Zwiespalt so präzise wie anschaulich auf den Punkt. Wie sehr sich die 1972 in Kalifornien Geborene emotional mit ihrer Mutter verbunden fühlt, zeigt Upsons Supermarkt-Kluft im Video „Recluse Brown“ aus dem Jahr 2016: Jeans und Holzfällerhemd, das typische Outfit von Upson senior. Wie fern sie die junge Künstlerin dagegen der amerikanischen Kultur des Konsums steht, liest man ihrem Gesicht ab: Sein Ausdruck wirkt fremd und leer in den Hallen voll Hundefutter, Wasserkanistern oder Pepsi-Dosen, an denen die Kamera immer wieder entlang fährt und ein seltsam surreales Bild des Alltags entwirft.

Im Mai Einzelausstellung im New Museum in New York

Sehen mit Kaari Upsons Augen. Nach der mehrteiligen Videoprojektion taucht man fast selbstverständlich in den Kosmos ihrer Ausstellung. Dominiert wird er von jenen Dosen, die aus Stahl nachgeformt sind und sich wie graue, uralte Boten aus einer vergangenen Zeit zu Skulpturen formen. Als habe es das industrielle Produkt immer schon gegeben. Oder als würde es den Menschen bis in die Ewigkeit überdauern. „Control“, eine Wandarbeit von 2016, saugt den Betrachter geradezu in sich auf, während die Arbeit „My Mom Drinks Pepsi II“ wie eine Treppe in den Boden führt.

Natürlich meint Upson mit ihren Zitaten von Cola und Dose weit mehr als das Produkt. Beides dient als Vehikel, zum Einstieg in die Welt des Unterbewussten, in der es dunkel und unheimlich werden kann. Zurück kommt die Künstlerin mit vieldeutigen Arbeiten über jenes unsichtbare Geflecht, das Beziehungen ausmacht. Ihre Arbeiten beschäftigen und verstören, wohl auch deshalb fallen sie im Kunstbetrieb auf: Nach einer Einladung zur diesjährigen Whitney Biennale wird Kaari Upson im Mai eine Einzelausstellung im New Museum in New York haben.

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