Kultur : KABARETT

NORBERT TEFELSKI

Hätte sich Reiner Kröhnert nicht entschlossen, Kabarettist zu werden, könnte er heute zu den Spitzenkräften der deutschen Film- und Fernsehmischpoke gehören.Sein im Mehringhoftheater dargebotenes EinMann-Thrillerchen "Honnis Rache" (bis 10.Oktober dienstags bis samstags, außer heute) jedenfalls ist eine astreine Demonstration haarfein ziselierter Schauspielkunst.Aus dem rasanten Wechsel-Spiel prominent besetzter Charaktere ragt ein übergestülptes Genscher-Ohr als aufwendigste Requisite.Im Dialog mit der anderen Gesichtshälfte namens Stoltenberg wird beschlossen, "so abstruse Falschinformationen zu liefern, daß uns keiner mehr ernst nimmt." Diese Verteidigungstaktik gilt dem Revolutionstribunal, vor dem sich unsere Volksvertreter zu verantworten haben.Viele angeblich farblose Politköpfe zaubert Kröhnert köstlich komisch auf die Bühne.Vor Richter Erich Böhme und Ankläger Klaus Kinski stehen etwa Blüm, H.-J.Vogel, Lambsdorff, Schily, Rühe, Cohn-Bendit, Schröder und Hintze-Superstar.Nur Kohl, den will Krönert einfach nicht imitieren können.So wird der ungewohnt schweigsame Boss vom Star-Anwalt Bossi kurzerhand in die Freiheit palavert.Für den Rest heißt es: Ab ins Gefängnis - zum Showdown mit Knastleiter Honni und "Hannibal Rebmann".Zuvor aber führen die Protagonisten unterschiedliche Spielarten des Gefängniskollers vor: Eine tolle Typenrevue, die allerdings den durchaus parodiefähigen Glibber-Gregor ausspart.Eine Vorwahl-Variante? Auf besonderen Wunsch von Gysi-Fan Hildebrandt? Schließlich ist Kröhnert heute abend im "Scheibenwischer" zu Gast.

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