Kabarettist Hüsch ist tot : "Ein Moralist reinster Prägung"

Er galt als einer der produktivsten und wichtigsten Vertreter des literarischen Kabaretts in Deutschland. In der Nacht zum Dienstag starb Hanns Dieter Hüsch im Alter von 80 Jahren.

Mainz - Nach einem Schlaganfall Ende 2000 hatte er zurückgezogen in seinem Haus in der Nähe von Köln gelebt. Kabarettistenkollegen und Politiker zollten Hüsch großen Respekt. Seine Geburtsstadt Moers am Niederrhein bereitet nach Angaben einer Sprecherin ein «Ehrenbegräbnis für den Ehrenbürger» vor, will aber noch die Zustimmung der Familie abwarten.

Der sensible Menschenbeobachter begeisterte sein Publikum mehr als fünf Jahrzehnte lang mit seinen mehr als 70 Solo-Programmen, bei denen er sich selbst an der Orgel begleitete. Als Vertreter der eher leisen Töne kultivierte er vor allem das hintersinnige Wortspiel. Aber auch mit Szenen und Anekdoten aus seiner niederrheinischen Heimat brachte Hüsch sein Publikum zum Lachen.

Ehe er 1998 an Lungenkrebs erkrankte, bewältigte der kabarettistische Einzelgänger rund 200 Vorstellungen pro Jahr. Daneben schrieb er Hörspiele und ein Theaterstück und lieh den ZDF- Reihen «Väter der Klamotte» und «Dick und Doof» in den 70er Jahren seine Synchronstimme. Geschwächt von einer langen Chemotherapie und seinem Schlaganfall, verabschiedete er sich im Oktober 2001 von der Kabarettbühne.

Als einen «Moralisten reinster Prägung» bezeichnete der Kabarettist Dieter Hildebrandt seinen Kollegen. Hüsch habe eine nahezu geniale Begabung gehabt, sagte Hildebrandt im WDR-Rundfunk. Über den Stil Hüschs sagte er: «Es war Hüsch-Kabarett, etwas ganz eigenes.» Bruno Jonas nannte Hüsch einen seiner größten Kollegen: «Wir sind alle sehr traurig. Der Mann an der Orgel ist tot. Mit seinen sehr einfachen Akkorden konnte er sehr unterhaltsam große philosophische Weltgebäude bauen.»

Der Mitbegründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Hans Jürgen Diedrich, sagte: «Er war kein Kabarettist, er war mehr ein skurriler Philosoph. Er war ein sehr gebildeter Mensch, seine Auftritte waren sehr fein, sehr gut überlegt.» Der Chef des traditionsreichen Düsseldorfer Kabaretts Kom(m)ödchen, Kay S. Lorentz, nannte es beeindruckend, wie Hüsch «jenseits eines schnellen Erfolges als Person mit großer Integrität» sein künstlerisches Ziel verfolgt habe.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) würdigte Hüsch als «großen Humanisten». Er habe sich «mit scharfer Zunge, großer Menschenkenntnis und hintergründigem Humor mit dem Zeitgeist und den menschlichen Freuden und Leiden auseinander gesetzt», sagte Rüttgers in Düsseldorf. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte, Hüsch habe mit seiner Kunst «für mehr Toleranz, Demokratie und Gerechtigkeit gekämpft».

Seine Karriere startete Hüsch Ende der 40er Jahre, nachdem er Medizin, Theaterwissenschaften und Literaturgeschichte in Gießen und Mainz - allerdings nie zu Ende - studiert hatte. Bereits während seines Studiums schrieb «der ewige Brettl-Student», wie er sich selbst einmal nannte, Gedichte und Chansons, sang bei einer Musikband und trat mit einem Universitätskabarett auf. 1956 gründete er in einem Mainzer Keller das Kabarettensemble «arche nova», das er bis 1962 leitete.

Hüschs Inspiration war die Provinz, aus der er stammte. Der 1925 als Sohn eines preußischen Beamten in Moers geborene Hüsch nannte sich selbst «das schwarze Schaf vom Niederrhein» («Alles, was ich bin, ist niederrheinisch»). Den niederrheinischen Kleinbürgermief beschrieb er mit einem Augenzwinkern und sprachlicher Prägnanz, zog aber nie über ihn her. Immer wieder wandte er sich auch gegen Rechtsradikalismus und Kriege.

Trotz großer Fangemeinde fühlte sich Hüsch nie als Star und blieb dem Tingeln durch die Provinz immer treu. Er wurde mit mehreren Auszeichnungen bedacht, darunter zwei Mal mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, der Carl-Zuckmayer-Medaille sowie dem NRW- Staatspreis. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben