Kultur : Käfer-ForscherZum Tod des Fotografen Peter Keetman

Christian Schröder

Als die Welt in den Fünfzigerjahren über das Wirtschaftswunder staunte, avancierte das Wolfsburger Volkswagenwerk zu einem mythischen Ort des deutschen Wiederaufstiegs. Das Auto, das dort vom Band rollte, schien selber ein Wunder zu sein: der VW Käfer mit seiner optimistisch geschwungenen Kugelgestalt war das perfekte Symbol des Neuanfangs. Zu den Fotografen, die damals in die Fabrik pilgerten, gehörte auch Peter Keetman.

Keetman vertiefte sich in die Details, er nahm Motorhauben auf, in denen sich die Hallendächer spiegeln, ineinander steckende Kotflügel, Nockenwellen, die wie rätselhafte Pflanzenteile aussehen. Die drei Tage, die er 1953 in Wolfsburg verbrachte, seien die „aufregendste Zeit meines Berufslebens“ gewesen, sagte er später. Mit den VW-Aufnahmen – die vom 17. März an im Berliner Automobilforum Unter den Linden zu sehen sein werden – wurde er schlagartig bekannt.

Keetman, 1916 in Wuppertal geboren, hatte 1949 mit Otto Steinert, Toni Schneiders und Siegfried Lauterwasser die Gruppe „fotoform“ gegründet. Das Credo der Gruppe lautete, eine Abgrenzung zur Reportage-Fotografie, „Form vor Inhalt“. Noch in einem Wassertropfen, der sich in einem Gitter verfing, entdeckte Keetman die Schönheit der Dinge. 1999 wurde ein Vintage Print von ihm für 50600 Mark versteigert, Rekord für ein deutsches Nachkriegsfoto. Das Bild zeigte einen Kotflügel – nicht von VW, sondern von BMW. Am Dienstag ist Peter Keetman mit 89 Jahren im bayrischen Marquartstein gestorben.

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