Kultur : Käferkunst

Kreuzwege: Auf Landpartie zur Art Biesenthal

Christiane Meixner

Die anderen sind immer schlauer. Deshalb bringen sie Picknickkörbe mit und setzen sich aufs Gras hinter dem Haus. Von dort haben sie den perfekten Blick in die Villa, die Ankommende ein bisschen zum Narren hält: Vorn sieht sie aus wie ein historisches Gebäude aus Stein. Hinten besteht sie fast nur aus Glas. Wer schon zur ersten Art Biesenthal hierhergekommen ist, der kennt die historische Herrenhausfassade mit ihrem Anbau von Zanderroth-Architekten, die angrenzende Mühle und den wilden Garten.

Als Novize reist man von Berlin aus zur zweiten Art Biesenthal mit dem Titel „Inkonstruktion II“ an, weil hier Künstler wie Norbert Bisky, Vincent Tavenne, Thomas Rentmeister ausstellen. Zu sehen sind die Arbeiten teils im Haus von Michael Hecken, teils im Garten. So liegen auf dem Steinfußboden „Pfützen“ von Stefanie Bühler, die wirken, als sei ein Traktor durch das Wohnzimmer gefahren. In der Reifenspur hat sich schimmerndes Wasser gesammelt – soll man glauben. Bis man merkt, dass dieses Stückchen Natur eine Skulptur aus Sand, Stroh und Kunststoff ist. „Parasite #11“ nennt sich die Arbeit von Dennis Feddersen. Ein prächtiges parasitäres Exemplar aus Biegesperrholz, das sich wie ein lebender Organismus ausbreitet. Und ein wunderbarer Kontrast zum Sichtbeton im ganzen Haus.

Im Kontrast zu jenen Arbeiten, die alltägliche Materialien umwidmen, steht die klassische Geste der Malerei. „Ihr Schweine“ hat Norbert Bisky sein Bild genannt, auf dem ein mit undefinierbarer Flüssigkeit besudelter Jüngling zu sehen ist. Stephan Jung lotet derweil die Tiefe der Oberfläche aus: Seine abstrakten Gemälde schimmern wie der Panzer eines Käfers. Ihnen begegnet man draußen, wo noch diverse Skulpturen warten. Mit dem Holzpodest „6-2007-1“ von Katinka Pilscheur erreicht man das geografische Ende der Schau – so weit es für den Besucher sichtbar ist, denn auch diese Arbeit zielt auf den Zwischenraum der Wahrnehmung, an dem sich die Kunst in den Alltag integriert. Da ist der Picknickkorb wirklich angebracht. Christiane Meixner

Art Biesenthal, bis 7. 10. Telefonische Anmeldung unter 0177/555-8812.

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