Kultur : Kämpfen, dass die Schwarte kracht

Im Kino: „Vampire Hunter D.“, ein Manga-Kompendium

Jens Hinrichsen

Auch deutsche Comicfans sind Manga-verrückt. Die explosiven Bildergeschichten aus Japan mit den kulleräugigen Figuren sind hier ebenso beliebt wie im Kinderfernsehen das Anime, die bewegte Variante des Manga. Hayao Miyazaki, der mit seiner TV-„Heidi“ Kinderherzen gewann, wurde auf der vorletzten Berlinale mit einem Goldenen Bären für den abendfüllenden Anime „Spirited Away“ geehrt. Und doch hat sich das Kinoformat hierzulande noch nicht so durchgesetzt wie in Frankreich oder England.

Vielleicht erklärt das, warum Yoshiaki Kawajiris „Vampire Hunter D.“ aus dem Jahr 2000 erst jetzt in unsere Kinos kommt. Das Grundprinzip basiert auf George Lucas´ Idee der „used future“: Ob Vampir oder Westernheld – alte Mythen werden für eine ferne Zeichentrickzukunft recycelt, dem „Star Wars“-Motto „Es war einmal in ferner Zukunft“ entsprechend. Alt steht neben Neu: Eine Vampirjägerin zielt mit ihrem futuristischen vierläufigen Revolver auf Blutsauger, während ihr Bandenchef Pfeil und Armbrust vorzieht. Sie gehören zu einer fünfköpfigen Kopfgeldjäger-Truppe, die im Hightechpanzer und mit fliegenden Motorrädern einem Vampir namens Meier Link hinterherjagt. Der hat seine noch ungebissene weibliche Geisel ganz Dracula-like in einer Pferdekutsche entführt. Ebenfalls auf dessen Fährte: Titelheld D., ein Lonesome Rider, der aus dem Holz unzähliger Westernmelancholiker geschnitzt scheint. Als Zwielichtwesen zwischen Mensch und Vampir trabt er durch Raum und Zeit. D. ist nicht gut und nicht böse, womit wohltuend das manichäische Disneyschema gebrochen wird.

Gekämpft wird, dass die Schwarte kracht und Blut fließt in dekorativen Strömen, was dank grafischer Vereinfachung erträglicher als bei splatternden Realfilmen bleibt. Der Stilmix, Technoides neben gotischen Kathedralen und antiken Tempelruinen, mag für stilbewusste Eurozentriker manchmal schwer genießbar sein, aber im Grunde ist dieses Schneetreiben abendländischer Zeichen Zen-Buddhismus pur. Die „Otakus“ jedenfalls, so nennt man eingefleischte Mangakenner, werden in „Vampire Hunter D.“ ein Kompendium der Gattung erkennen. So verweisen die Würgearme einer Kampfamazone auf die „Tentakelsex“-Tradition von Erotik-Mangas, die so das strikte japanische Phallus-Verbot umgehen. Heidi und Geißenpeter ahnten nichts davon.

In Berlin nur im Central (OV)

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