Kultur : Kämpfer für Recht und Natur

FRANK NOACK

Gibt es Stars, die trotz ihrer sieben- bis achtstelligen Gagen in der Lage sind, auch als Verlierer zu überzeugen? Clint Eastwood kann so etwas.John Travolta kann es nicht.Er mag sich noch so anstrengen, sein Siegerlächeln kriegt er nicht weg.Er war als hilfloser Museumsangestellter in "Mad City" fehlbesetzt, und er ist es schon wieder in "Zivilprozeß" als - für US-Verhältnisse - kleiner Anwalt, der für eine gute Sache seine Existenz riskiert.Auch können wir - zweites Handicap - nicht so recht mit ihm zittern, wenn er die heiligen Hallen einer erfolgreichen Anwaltskanzlei betritt.Travolta hat schließlich bereits überzeugend den US-Präsidenten gespielt hat.Darunter nimmt man ihm nichts mehr ab.Erschwerend kommt außerdem hinzu: Mit seinem Image als Italo-Amerikaner kann Travolta nur schwerlich einen Mann spielen, der Jan Schlichtmann heißt.Schlichtmann aber heißt der Anwalt, auf dessen "wahrer Geschichte" die Buchvorlage von Jonathan Harr basiert.Es ist das übliche Problem in Hollywood: Man verläßt sich zu sehr auf große Namen.Dem mitproduzierenden Robert Redford hätte man, hätte er selber die Hauptrolle gespielt, den idealistischen, umweltbewußten Anwalt eher abgenommen.

Der Einsatz unseres Helden gilt den Bewohnern einer Kleinstadt in Massachusetts, deren Kinder an Leukämie gestorben sind.Die Eltern glauben, daß Chemieabfälle das Trinkwasser in der Gegend verursacht und zum Tod der Kinder geführt haben.Es war eine gute Idee des Drehbuchautors und Regisseurs Steven Zaillian, die 500 Seiten der Buchvorlage so zusammenzustreichen, daß relativ wenige Szenen im Gerichtssaal spielen - umso mehr dafür in dem verseuchten Waldstück im Umkreis der Kleinstadt.Conrad L.Hall, einem der großen alten Kameramänner Hollywoods, gelingt es auf beeindruckende Weise, die Natur in ihrer verletzbaren Schönheit einzufangen.

Neben der Umweltzerstörung spielt das Duell John Travolta gegen Robert Duvall eine wichtige Rolle.Duvall ist Jerome Facher, als Anwalt der Chemiekonzerne auf der Seite der Bösen.Doch die beiden Männer werden von Beginn an als gleichwertige Gegner porträtiert.Schon die Art, wie sie sich im Gerichtssaal beobachten, zeugt von ihrer Wesensverwandtschaft.Überhaupt scheint sich Zaillian weniger für die Not der trauernden Eltern zu interessieren als für die Tricks der Anwälte, die er mit unglaublicher Detailversessenheit vorführt.Für Jura-Studenten ist dieser Film ein Muß.Nicht-Juristen können sich an dem trockenen Humor erfreuen, der "Zivilprozeß" von anderen Gerichtsfilmen unterscheidet.

In 13 Berliner Kinos

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