Kultur : Käthe-Kollwitz-Preis für Horst Münch: Das Denken wird zur Form

Katrin Wittneven

Von einer Haltung des Hörens, des Schweigens, des Fragens und von äußerster Verknappung spricht der Künstler Horst Münch in einem seiner Texte. Verdichtet ist auch seine Kunst, beinahe schroff: Aus Gips, Drahtgeflecht, Holzlatten sind die Skulpturen, karge Schraffuren dominieren die Malerei, kryptisch sind manche der Gedichte, die er in seinen Videos selbst zu Gehör bringt.

Die Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste anlässlich des mit 10000 Euro dotierten Käthe-Kollwitz-Preises für sein Lebenswerk gibt einen Einblick in die komplexe Kunst des 1951 geborenen Kölners. Einen Einstieg bieten spröde Schwarz-WeißFotos aus den 70er Jahren. Auf Streifzügen durch deutsche Städte machte Münch rund 2000 Fotos, von denen er eine Auswahl in ihrer zufälligen Reihenfolge auf dem Film zu bewusst lückenhaften Fototafeln arrangiert. Die Aufnahmen erscheinen beiläufig: Architekturelemente, Möbel-Sonderschauen, Reklameschilder, geometrische Ornamente: persönliche Erinnerungen an das Nachkriegsdeutschland seiner Kindheit. Offenheit charakterisiert die Werke Münchs: Wie eine fragile Bühne inszeniert er die Skulptur „Gesprächsgrundlage (Marie-Luise Langenthal-Seifold)", deren Titel an die Berliner Philosophin und Semantikerin erinnert. Schwere, empfindliche Gipsplatten, die sich an den Rändern hochbiegen, liegen auf silbern lackierten Holzbalken und Bierkisten. Sicher ist hier nichts, zerbrechlich die Basis.

Alfons Hüppi fand als Jurymitglied für seinen ehemaligen Studenten der Kunstakademie Düsseldorf die treffenden Worte, dass hier „dem Denken zur bildhaften Form verholfen“ wird.

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