Kultur : Käuflich

Eine Skulptur von Tilman Riemenschneider

Zum 50-jährigen Jubiläum seines Hauses tritt Rudolf Neumeister am nächsten Dienstag noch einmal selbst ans Pult. 1999 hatte der Gründer des Münchener Auktionshauses die Geschäftsleitung seinem Schwiegersohn Michael Scheublein und der Tochter Katrin Stoll übergeben. Seit Scheubleins Weggang führt Stoll das Familienunternehmen ab diesem Jahr nun als Alleininhaberin.

Herausragendes Los der Auktion ist die um 1490 gefertigte Darstellung einer Madonnenfigur von Tilman Riemenschneider. Die bislang unbekannte „Maria mit Kind“, meisterlich aus Lindenholz geschnitzt und äußerst gut erhalten, nennt Skulpturenexperte Albrecht Miller denn auch „die wichtigste Riemenschneider-Entdeckung der letzten Jahrzehnte“. Ob der Markt die 38 Zentimeter große Skulptur ebenfalls dem gotischen Meister zuordnet oder aber seiner Werkstatt, bleibt spannend. Wird die Bewertung von 800 000 bis 1,2 Millionen Euro akzeptiert, wäre das allerdings eine kunsthistorische Sensation.

Daneben vereinen die 96 Losnummern nahezu alle Sparten, die das Haus im Programm hat: alte Kunst, historischen Schmuck, Möbel und Kunstgewerbe sowie Malerei der Münchener Schule und der klassischen Moderne. Der „Schutzpatron“ des Hauses, Carl Spitzweg – dem Neumeister 2000 einen Weltrekordpreis bescherte – ist mit fünf Werken ab 28 000 Euro vertreten. Die Spitze der Moderne-Abteilung bildet Gabriele Münters Ölgemälde „Nach dem Tee II“ mit 350 000 bis 450 000 Euro. mino

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