Kultur : Kalter Zauber

Frederik Hanssen

Die Berlin Tourismus Marketing GmbH hat sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Unter dem Motto „Winterzauber“ startet sie eine fünf Millionen Euro teure Werbekampagne für die Hauptstadt. Super. Mit diesem Slogan wirbt so ziemlich jeder, der in der kalten Jahreszeit irgendwas verkaufen will. Es gibt „Winterzauber“ auf Rügen, Usedom und Borkum, in Bad Füssen und Bad Kissingen. In Österreich werben der Ort Irding, der Seecampingplatz Stadlerhof in Tirol, das Stubaital und die Region Kärnten mit dem Zauberwort, in der Schweiz das Wallis, die Stadt Thun, das Dörfchen Gossau und ein Wellnesshotel „Engel“ in den Dolomiten. Von „Pettersson und Findus“ liegt eine CD mit „Winterzauber-Liedern“ in den Geschäften, Ramona Leiß tourte schon im Februar mit einer „Winterzauber“-Schlagerrevue durch die Stadthallen. Und natürlich gibt es auch „Winterzauber“-Tee (von der Minderleinsmühle) sowie einen süßen Apfel-Birnen-Brotaufstrich gleichen Namens (von Grafschafter). Überhaupt: Warum wird Berlin, die Kulturmetropole, ausgerechnet mit ihren (eher unmagischen) Shopping-Qualitäten beworben? So reiht man sich ein in die Kette so glanzvoller Orte – wie Bochum zum Beispiel: Slogan der Advents-Einkaufskampagne 2003 „Winterzauber“. Gemach, gemach, rufen da die Berlin-Werbezauberer: Wir weisen auf unserer Website schließlich auch auf die „kulturellen Highlights“ des Winters hin. Ach ja, auf den Friedrichstadtpalast und die Doppelgänger-Show im Hotel Estrel, die Blue Man Group, die Märchentage, das Militärmusikfestival und Helmut Lotti im ICC. Das klingt nun wirklich: zauberhaft.

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