Kultur : Kaltes Eisen

„Tannöd“: Noch keine Plagiatsklage eingegangen

Die Plagiatsvorwürfe gegen Andrea Maria Schenkel und ihren „Tannöd“-Krimi gibt es schon seit einiger Zeit: seitdem sich „Tannöd“ Anfang dieses Jahres, sechs Monate nach der Veröffentlichung, überraschend zum Bestseller gemausert hat. Nun soll es, jüngste Meldung, angeblich vor Gericht zur Sache gehen. Am vergangenen Freitag haben der Sachbuchautor Peter Leuschner, der zwei Bücher über den realen sechsfachen Mordfall in der bayerischen Einöde Hinterkaifeck im Jahr 1922 geschrieben hat, und sein Anwalt Hans Nüsslein beim Landgericht München 1 eine Plagiatsklage gegen Andrea Maria Schenkel eingereicht. Zumindest sagen Nüsslein und Leuschner das, und zumindest meldete das der von den beiden als Erster informierte „Donaukurier“ einen Tag später. Leuschner fordert Schadenersatz und verlangt außerdem, dass die Verbreitung von Schenkels Kriminalroman gestoppt wird und alle verfügbaren Exemplare des Buchs vernichtet werden.

Nur: Eine Klageschrift sei auch am gestrigen Dienstagnachmittag noch nicht beim Landgericht München eingegangen, weiß man bei Schenkels Verlag, der Edition Nautilus in Hamburg. Dort spricht man von einer „Phantomklage“ und einer „Presseblase“ und vermutet nicht ganz zu Unrecht, dass Peter Leuschner sich, seinen Namen und seine Bücher einmal mehr ins Gespräch bringen will und dafür eine weitere Gunst der Stunde nutzt: die Veröffentlichung von Andrea Maria Schenkels zweitem, nach dem Strickmuster von „Tannöd“ gebauten Roman „Kalteis“.

Sosehr man aber beim Edition Nautilus Verlag die Rufschädigung der Autorin fürchtet und beklagt, so wenig konnten alle Plagiatsvorwürfe dem Erfolg von „Tannöd“ etwas anhaben: 300 000 Exemplare sind bislang ausgeliefert worden. Und auch „Kalteis“ ist mit einer bisherigen Auflage von 80 000 bereits ein großer Erfolg. Tsp

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