Kultur : Kaltes Ende einer heißen Spur

10 Tote, 39 Verletzte: Auch sieben Jahre nach dem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Lübeck sind die Täter noch nicht zur Verantwortung gezogen worden

Andreas Juhnke

Es war ein warmer Tag im Juli 1998. Die mecklenburgischen Landstraßen schlängelten sich durch sattgrüne Felder unter weißgrauem Himmel. Die Alleebäume erzählten Geschichten vom Leben und Tod an der Straße. Die Fahrt ging nach Neustrelitz. In den Knast. Jugendhaftanstalt.

Dort wartete ein Häftling, den wir hier Tommy nennen müssen. Sein richtiger Name hat unzählige Male in der Presse gestanden, sein Foto, das Gesicht unkenntlich, war oft dabei. Aber bei der Tat, um die es ging, war er erst 17 Jahre alt. Jugendliche haben ein Recht darauf, dass ihr Name nicht in der Presse steht. Außerdem sind alle Ermittlungen gegen ihn in dieser Sache bis heute, genau sieben Jahre danach, im Sande verlaufen. Zuletzt klappte die Lübecker Staatsanwaltschaft 2000 die Akten wieder zu. Nicht zum ersten Mal wurde das Verfahren eingestellt. Vermutlich auch nicht zum letzten Mal.

Aber Tommy sollte noch einmal etwas zu dem Geständnis sagen, dass er im Februar 1998, zwei Jahre nach der Tat, abgelegt hatte. Und zu dem Widerruf ein paar Tage später. Zwar hatte er schon eine lange Liste von Vorstrafen und immer wieder im Gefängnis gesessen – Körperverletzung, Raub, Diebstahl, Friedhofsschändung inklusive Hakenkreuzschmierereien. Diesmal aber ging es um Brandstiftung und zehnfachen Mord: Warum hatte er gestanden, dabei gewesen zu sein? Und warum hatte er es ein paar Tage später wieder zurückgenommen?

Die Besuchszelle des alten Gefängnisses war mit Zimmerpflanzen, Plastiktischdecken und Scheibengardinen zu einem hilflosen Wohnzimmer dekoriert. Tommy wurde von einem Aufseher in Uniform hereingebracht. In den Akten erschien er als ganz harter Brocken: Bekannte von ihm erzählten, er ließe sich gern „Klein Adolf" nennen. In seinen Vernehmungen erwies er sich als routinierter Lügner.

Aber mit leiser Stimme sagte an diesem Julitag ein schmächtiger junger Mann guten Tag, blond, zurückhaltend. Er wirkte Jahre jünger, wie ein gebrochener Jugendlicher, nicht wie der starke Mann, den er oft markierte. Nur die typische fahle Hautfarbe kennzeichnete ihn als Gefangenen. Wir sprachen über sein verkorkstes Leben: die Flucht vor den Eltern, die Heime, die Zeit als Obdachloser, die gescheiterte Maurerlehre, seine Einsamkeit, über Reue und Wege zurück in die Gesellschaft. Und wir sprachen über den Brand in der Lübecker Hafenstraße.

Am 18. Januar 1996, gegen 3 Uhr, 3 Uhr 30 früh, war im Lübecker Asylbewerberheim ein Feuer ausgebrochen. In der Nähe des Hauseingangs starb der 27-jährige Sylvio Amoussou. Während sie mit der Feuerwehr telefonierte brach die 32-jährige Francoise Makodila zusammen und starb. Mit ihr im Zimmer starb der 5-jährige Sohn Le Grand. Zwei Räume weiter kamen ihre Töchter Miya (14), Christelle (gerade 8 geworden), Christine (17) und ihr zweiter Sohn Jean-Daniel (3) ums Leben. Die Feuerwehr sah die Kinder noch am Fenster stehen. Aber der rettende Leiterwagen der Feuerwehr kippte um und niemand konnte die vier im zweiten Stock des Hauses retten. Vorher war Monica Bunga (27) mit ihrer Tochter Suzanna (7) vom Dach gestürzt. Die Mutter starb auf der Straße, ihre Tochter wenig später im Rettungswagen. Und im zweiten Stock des Hauses atmete Rabia El Omari (17), der seine Familie noch alarmieren konnte, eine tödliche Menge Rauchgas ein. 39 Verletzte waren am Ende zu den 10 Toten zu beklagen, kaum ein Hausbewohner kam ohne Blessuren davon.

Auf die Brandkatastrophe folgte ein Ermittlungsdesaster. Die Täter blieben bis heute unbestraft. Mehrere Staatsanwälte wurden verschlissen. Sonderkommissionen der Polizei gebildet und wieder aufgelöst. 70 Aktenordner mit Papier gefüllt. Immer wieder wurden Ermittlungsverfahren eröffnet und ein paar Monate später eingestellt. Zuletzt, so scheint es, stocherten die Ermittler in Lübeck lustlos in diesem Fall wie in einem kalten Schnellgericht.

Die Ruine qualmte noch, als am Nachmittag des Brandtags die ersten Tatverdächtigen präsentiert wurden. Drei junge Männer aus Mecklenburg, einer von ihnen Tommy, waren in der Nacht an den Kais der Lübecker Hafenstraße von zwei Kriminalbeamten kontrolliert worden, als sie sich das Feuer und die verzweifelt schreienden Hausbewohner anschauten. Sie waren aufgefallen, weil sie „äußerlich wie Skinheads aussahen“, wie sich Zeugen hinterher erinnerten. Sie waren mit ihrem eigenen Auto, einem alten Wartburg, da. Tommy gab einen falschen Namen an, aber das fiel bei der Polizeicomputer-Abfrage nicht auf. Die drei konnten vorerst unbehelligt nach Grevesmühlen, etwa 30 Kilometer östlich von Lübeck, zurückfahren. Gegen 8 Uhr wurden sie dort aus den Betten geholt und ins Lübecker Polizeipräsidium gebracht.

Den ganzen Tag über wurden sie vernommen, davor von einer Gerichtsmedizinerin untersucht. Draußen vor dem Präsidium schalteten die Medien ihre Scheinwerfer ein, die den bis dahin schwersten Anschlag in der Geschichte der ausländerfeindlichen Übergriffe beleuchteten. Drinnen erzählten die drei Mecklenburger detailreich, auf welchen Straßen sie in dieser Nacht durch Lübeck gefahren waren, wie sie ein Auto gestohlen und nach Grevesmühlen geschafft hatten und dass sie mit dem Brand nichts zu tun hätten. Eigentlich seien sie zu viert unterwegs gewesen, gestanden sie nach einiger Zeit. Ihre Versionen wechselten in den vielen Verhörstunden, nur eine Sache blieb gleich: die Brandstifter seien sie nicht.

Am Nachmittag meldeten sich bei der Soko Hafenstraße zwei Streifenbeamte, die etwa 20 Minuten vor dem ersten Brandalarm drei junge Männer mit einem beigen Wartburg an einer Tankstelle am anderen Ende der Stadt beobachtet hatten. „Ich würde sie nicht wiedererkennen“, berichtete einer der Beamten gleich. Er musste es auch nie tun.

Am späteren Abend fielen zwei Kriminalbeamten im Verhör mit Tommy dessen versengte Haare am Kopf und an den Augen auf. Die Gerichtsmedizinerin wurde wieder gerufen und fand „frisch versengte Haare“ an den Köpfen von drei der jetzt vier Festgenommenen. Die verschmorten Haare waren „sehr typisch für einen Brandanschlag mit Brandbeschleuniger“, sagte später der Lübecker Gerichtsmediziner Manfred Oehmichen.

Verschwundene Haarproben

Von den drei Versengten musste am 18. Januar nur einer aussagen, wobei er sich die Haare verschmort hatte: Tommy. Er erzählte den Kriminalbeamten eine abenteuerliche Geschichte von einem Hund, den er mit brennendem Haarspray gequält haben wollte. Dabei seien ihm die Flammen ins Gesicht geschlagen. Die Spezialisten des Landeskriminalamts (LKA) sagten später, dass sie Tommys Version für technisch ausgeschlossen hielten. Trotzdem standen die Mecklenburger am nächsten Morgen, es graute der 19. Januar 1996, als freie Männer vor der Tür. Nur Tommy nicht. Gegen den lag ein Haftbefehl vor und er wurde nach Mecklenburg in den Knast gebracht. Die vier hätten ein „Alibi“ für den Brand, hieß es jetzt von der Lübecker Staatsanwaltschaft. Die versengten Haare wurden nicht erwähnt. Vermutlich wussten die Staatsanwälte auch nichts davon.

In dieser Phase der Ermittlungen wurden die Fehler gemacht, die bis heute eine Aufklärung des Falles unmöglich gemacht haben: Zwar waren die versengten Haare abgeschnitten und sichergestellt worden, sagte die Gerichtsmedizinerin im Prozess. Aber die Polizei bestritt, dass sie diese Haarproben je bekommen habe. Dieses Beweismittel blieb verschwunden. Weitere Untersuchungen waren also nicht möglich.

Nur bei einem der vier wurde die Kleidung aus der Nacht sichergestellt. Aber sie wurde nie auf Spuren von Benzin oder andere Brandlegungsmittel untersucht. Auch in den Autos der vier – dem Wartburg und einem gestohlenen Golf – fand eine kriminaltechnische Untersuchung nicht statt. Objektive Beweismittel, so es sie über die versengten Haare hinaus gegeben hätte, waren damit für immer verschwunden. Auch das Alibi der Mecklenburger wurde nicht überprüft: weder gab es eine Gegenüberstellung mit dem Tankwart, noch mit den beiden Streifenpolizisten, die vielleicht drei von ihnen gesehen hatten. Der Tankwart war zwar besser in Personenbeschreibung als die Polizisten. Aber sein geschildertes Trio sah nur zum Teil so aus wie die drei Mecklenburger.

Auch das Rätsel um den Toten aus dem Eingangsbereich, Sylvio Amoussou, wurde nie geklärt. Er hatte nicht die typischen Gifte in der Lunge oder im Blut, die bei den anderen Brandopfern gefunden wurden. Die Gerichtsmediziner hielten es für möglich, dass er schon tot war, als der Brand ausbrach. Wie starb er wirklich? Der britische Brandexperte Roger Ide, der 26 Jahre lang im britischen Innenministerium für Brandermittlungen zuständig war, sagt, Befunde wie bei Amoussou seien typisch für Brandopfer, die mit Bezin übergossen wurden. In solchen Fällen erleidet der Mensch einen Schock. Die Atmung setzt unmittelbar vor dem Tod aus.

Betroffenheit und Trauer waren seit den ersten Meldungen von allen Seiten bekundet worden. Bundespräsident Roman Herzog war erschüttert, ebenso Ministerpräsidentin Heide Simonis, die in den Löschwasserpfützen an der Brandruine stand. In Lübeck gingen tausende auf die Straße und demonstrierten gegen Fremdenfeindlichkeit. CNN brachte große Übertragungswagen in Stellung. Deutschlands hässliche Fratze hatte scheinbar einen neuen Schmiss bekommen.

Aber plötzlich sah die Sache ganz anders aus. Die vier rechten Männer aus Mecklenburg: in dieser Sache anscheinend unschuldig. Kommentatoren, die zu schnell von rechten Tätern ausgegangen waren, streuten sich Asche aufs Haupt. Eine Debatte hob an über ein Deutschland, das immer Täterland sein wolle. Dazu meldete sich ein Sanitäter etwa 36 Stunden nach dem Brand bei der Polizei und erzählte, dass ihm noch am Brandort ein verletzter Hausbewohner gesagt habe: „Wir warn’s“. Und dass dieser Mann nach einem Streit mit einem anderen Hausbewohner Benzin an dessen Tür gekippt und angesteckt hätte. Brennend sei er die Treppe hinuntergelaufen und hätte das Asylhaus in Brand gesetzt. Der Mann war schnell identifiziert: Safwan E., ein 21-jähriger Libanese, der bei seiner Familie im Haus lebte.

Safwan E. wurde in Untersuchungshaft genommen. Es war kein Motiv ersichtlich, warum er die Tat begangen haben könnte, die beinahe auch seine Eltern und seine sechs Geschwister getötet hätte. Objektive Beweismittel, etwa Sengspuren oder Rückstände in der Kleidung, wurden trotz intensiver Untersuchung nicht gefunden. Wochenlang wurden seine Besucher in der U-Haft abgehört, ohne das sich ein Hinweis auf seine Täterschaft fand. Auch die kriminaltechnische Untersuchung konnte die Version des Sanitäters nicht stützen. Trotzdem blieb Safwan E. monatelang in Haft und wurde danach zweimal vor Gericht gestellt. In Lübeck wurde er Anfang 1997 aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Im zweiten Verfahren vor dem Kieler Landgericht 1999, weil es „keine Indizien“ gab, die für „eine Beteiligung des Angeklagten an der Tat“ sprachen.

Der zweite Prozess war notwendig, weil im ersten Verfahren die Tonbänder aus einer Abhöraktion in Safwan E.s Zelle nicht gehört worden waren. Das Lübecker Gericht meinte, er hätte nicht belauscht werden dürfen, weil die Zelle seine damalige Wohnung war. Der Bundesgerichtshof sah das anders. Im zweiten Verfahren in Kiel wurden die Bänder akribisch übersetzt. Die Kieler Richter sagten danach in ihrem Urteil über Safwan E.: „Die Tonbänder sprechen eher dafür, dass er vom Brand überrascht wurde und nichts von der Brandlegung weiß.“

Die Lübecker Ermittler raunten nach diesem Urteil etwas von Tätern, die nicht überführt werden können. Und sie erklärten den Fall Hafenstraße für unlösbar. Noch heute bekräftigt Schleswig-Holsteins grüne Justizministerin, Anne Lütkes, diese Haltung. Ihren Sprecher ließ sie jetzt auf Fragen des Tagesspiegels mitteilen: „Leider“ gäbe es Fälle, wo es „trotz umfassendem Einsatzes“ dabei bleibt, dass „ein Täter nicht zu ermitteln ist“.

Anfang 1998 schien sich wieder eine Wende anzubahnen. Tommy ließ die Lübecker Staatsanwaltschaft anrufen, er wolle ein Geständnis ablegen. Da saß er bereits in der Haftanstalt Neustrelitz. Den anreisenden Ermittlern diktierte er: Mit den beiden Mecklenburgern, die mit ihm am Tatmorgen an der Hafenstraße kontrolliert worden waren, sei er zum Haus gefahren. Er habe draußen Schmiere gestanden, während die beiden anderen in das Haus eingestiegen seien und das Feuer gelegt hätten. Es sei um Streitigkeiten in Haschisch-Geschäften gegangen, die seine Freunde mit einem Hausbewohner gehabt hatten. Vier Tage später widerrief Tommy seine Aussage. Im Knast Neustrelitz sei darüber „gequatscht“ worden, dass er einer der Täter sei. Er befürchtete, dass er nun wegen der Brandstiftung verurteilt werden würde, deshalb habe er vorsorglich gestanden. „Ich habe mir dadurch eine mildere Bestrafung erhofft“, sagte er den Lübecker Ermittlern. Aber nun beteuerte er wieder: „Wir haben dieses Haus nicht in Brand gesteckt.“

„Was soll man denn jetzt glauben?“, war deshalb die erste Frage an Tommy beim Knastbesuch im Juli 1998. „Na, wir warn’s“, zitierte er ironisch den berühmten Satz, den der Sanitäter von Safwan E. gehört haben wollte. Und er erzählte noch einmal auf Tonband, wie die vier den Plan gefasst hatten, die Hafenstraße anzuzünden. Wie sie vorher ein Auto klauten, um sich hinterher als fast harmlose Autoknacker darstellen zu können. Und wie sie dafür gesorgt hatten, dass sie in dieser Nacht von möglichst vielen Menschen überall in der Stadt gesehen wurden, um sich so Alibis zu verschaffen.

Das war in etwa die Version, die er im Februar 1998 der Staatsanwaltschaft erzählt hatte. Sie erklärte vieles, was in dieser Nacht geschehen war, aber nicht, wie Tommy zu seinen versengten Haaren gekommen war: Als Schmieresteher außerhalb des Hauses war das kaum möglich. Und warum hatte er die Aussage damals widerrufen und ging jetzt erneut das Risiko ein, wegen der Brandstiftung doch noch vor Gericht zu landen? Er träume nachts von den schrecklichen Szenen, die er am Brandort gesehen hatte, und er befürchte immer noch, dass er eines Tages wegen dieser Sache verurteilt werde, erklärte Tommy. Deshalb wolle er es jetzt hinter sich bringen.

20 000 Mark Lohn für die Brandtat?

Dieses Geständnis erschien 1998 im „Spiegel“. Ein paar Tage später veranstaltete die Lübecker Staatsanwaltschaft eine Pressekonferenz, auf der sie Tommys zweiten Widerruf verkündete. Anderthalb Jahre später, im Februar 2000, wurde Tommy als bisher einziger der vier im Zusammenhang mit dem Brand in der Hafenstraße doch noch verurteilt: zu sechs Monaten Gefängnis wegen „falscher Verdächtigung“ seiner Mecklenburger Freunde. In einem Brief an die Lübecker Ermittler hatte sich Tommy zuvor beschwert, dass ihm bei seinem Widerruf von Staatsanwaltschaft und Polizei zugesichert worden war, dass das Verfahren wegen falscher Anschuldigung eingestellt würde. Der Staatsanwalt bestritt eine solche Zusage.

Tommys Geständnisse und das, was er zuvor seinen Mitgefangenen erzählt haben soll, enthielten einige hochinteressante Details, die Licht auf die Hintergründe der Tat werfen könnten: Laut Ermittlungsakten erzählte Tommy anderen Häftlingen, dass die vier 20 000 Mark für die Brandstiftung bekommen hätten. Sollten sie trotz der Alibis, die sie sich in der Tatnacht verschafft hatten, erwischt werden, würde ein Sanitäter einen anderen belasten und sie damit schon raushauen. Ein Polizist hätte dabei geholfen, wichtige Beweismittel verschwinden zu lassen.

Tatsächlich fanden Tommys Heimbetreuer Wochen vor der Brandstiftung bei seinen Sachen eine Visitenkarte mit dem Namen des Sanitäters. Der gehörte einem Lübecker Paintball-Club an, für den im rechtsradikalen Thule-Netz geworben wurde. Die Kampfspiele mit Druckluftgewehren und Farbkugeln veranstalteten die Lübecker auf einem Waldgelände in der Nähe von Tommys altem Heim. Telefonüberwachung, Überprüfung von Kontobewegungen, der Einsatz von V-Leuten: Die Ermittler hätten viele Möglichkeiten gehabt, den Geschichten von Tommy und seinen drei Freunden auf den Grund zu gehen. Nichts davon wurde getan. Stattdessen verkündete man immer wieder, dass der Brand nur im 1. Stock gelegt worden sein konnte, weshalb Brandstifter, die von außen eindrangen, nicht in Frage kämen. Dort hatte zwar keiner der Hausbewohner ein Feuer gesehen, obwohl viele unmittelbar nach dem Feueralarm auch an dieser Stelle waren. Auch der Experte Roger Ide hielt diesen Brandort für eher unwahrscheinlich. „Das Feuer begann mit Sicherheit im Vorbau“, sagte er jetzt noch einmal dem Tagesspiegel. Davon ließen sich die Lübecker Ermittler jedoch nicht irritieren. Tommy und seine Freunde blieben bis heute unbehelligt. „Bei einer Gesamtschau sämtlicher Ermittlungsergebnisse ist ein hinreichender Tatverdacht gegen die Beschuldigten nicht zu begründen“, hieß es in der letzten Einstellungsbegründung.

Der Autor veröffentlichte 1998 zu diesem, Fall das Buch „Brandherd", Christoph Links Verlag, 214 Seiten, 14,90 Euro.

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