Kultur : KAMMERSPIEL

Der Mann von der Botschaft

Jan Schulz-Ojala

Irgendwann sitzen Herr Neumann und Sashka einträchtig beisammen und spielen das Computerspiel „Myst“. Am Anfang aber hat die Straßengöre den Botschaftsreferenten auf dem Gemüsemarkt fast beklaut, und Neumann hat sie bei der ruppigen Marktaufsicht abgeliefert. Wie kommt es zum Gesinnungswandel des einsam in Georgien lebenden Mannes, der eine halbwüchsige Kleinkriminelle in seiner Wohnung aufnimmt, ihr Sneakers kauft, schließlich sogar ein Kleid? Der üblichste Verdacht scheidet aus, macht den dritten Spielfilm des in Berlin lebenden Georgiers Dito Tsintsadze aber zur subtilen Gesellschaftsanalyse: Die Mechanismen eines Verdachts kümmern sich wenig um Tatsachen, was man bei der Besichtigung des Films mitunter auch an sich selbst beobachten kann. Anrührend, subtil und intelligent. Jan Schulz-Ojala



„Der Mann von der Botschaft“, D/Georgien 2006, 100 Min., R: Dito Tsintsadze, D: Burghart Klaußner, Lika Martinova

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