Kultur : Kampfes Waffen

Norbert Thomma

Zwei große alte Männer erheben laut ihre Stimme gegen das Establishment: der Schriftsteller Gore Vidal (77) und der UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler (68) – Vidal in neun Aufsätzen, Ziegler in 20 Kapiteln. Vidal ist lakonisch, Ziegler pathetisch, Vidal provoziert, Ziegler klagt an. Ein klassischer Vidal: „Im Gegensatz zu Roosevelt war Truman kein Philatelist. Wäre er Briefmarkensammler gewesen, so hätte er zumindest gewusst, wo die Länder dieser Welt lagen und wer in ihnen lebte.“ Ein klassischer Ziegler: „Die Gier der Gebieter vergiftet das Gehirn der Vasallen.“ Vidal wettert gegen Dummheit, Ziegler gegen Ungerechtigkeit. Vidal schlägt den historischen Bogen und klärt die Grundzüge US-amerikanischer Politik, Ziegler liefert Zahlenmaterial („als Waffen für den bevorstehenden Kampf“) zur Globalisierung. Der eine amüsiert sich über den Schwindel von CIA und NSA, der andere geißelt die Politik von WTO und IWF. Vidal beschaut die Welt illusionslos, Ziegler will sie verändern. Verständlicher wird sie mit beiden.

Gore Vidal: Bocksgesang. Antworten und Fragen vor und nach dem 11. September. EVA, Hamburg. 121 Seiten, 13 €.

Jean Ziegler: Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher. Bertelsmann, München. 318 Seiten, 22,90 €.

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