Kultur : Kanton Kunst

Zensur in der Schweiz: der Fall Hirschhorn

Antje Kramer

Aufruhr in der Schweizer Kunstszene: Weil die Kulturstiftung Pro Helvetia eine umstrittene Ausstellung des eidgenössischen Künstlers Thomas Hirschhorn in Paris unterstützt, wird der Pro-Helvetia-Etat um eine Million Schweizer Franken (650000 Euro) gekürzt – bei einem Gesamtetat von 33 Millionen Franken. Eine heftige Diskussion ist nun entbrannt, über die Ausstellung „SwissSwiss Democracy“ im Centre Culturel Suisse, über Kunst, Politik und Zensur.

Er wolle nicht provozieren, sondern die „Absurdität der direkten Demokratie“ aufzeigen, so Hirschhorn. Dies tut er beispielsweise, indem er unter eine Folterszene aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib die Wappen der Schweizer Urkantone montiert. Ferner sollte in einem Theaterstück im Rahmen der Schau andeutungsweise in eine Wahlurne erbrochen sowie auf das Bild des Schweizer Justizministers Christoph Blocher uriniert werden – ebenfalls andeutungsweise. Für diese Szenen zeichnet der französische Regisseur Gwenaël Morin verantwortlich. Hirschhorn selbst übt ebenfalls heftige Kritik an Blocher, der unter anderem wegen ausländerfeindlicher Äußerungen umstritten ist: Der in Frankreich lebende Documenta-Künstler will nicht mehr in der Schweiz ausstellen, solange der Rechtspopulist Regierungsmitglied ist. Aber auch dem Christdemokraten Peter Bieri geht die Ausstellung zu weit: Sie gebe das Selbstverständnis der Schweiz, ihre staatlichen Institutionen und ihre Werte der „primitivsten Anfeindung“ preis. Einen Vermittlungsvorschlag, nach dem der Etat um die Subventionssumme der Ausstellung von 180000 Franken gekürzt werden sollte, hat der Ständerat gestern abgelehnt, obwohl Innenminister Pascal Couchepin zur Besonnenheit gemahnt hatte.

Hirschhorns Verteidiger, wie das Zürcher Theater am Neumarkt, sprechen von einer „Strafaktion“. Und der Zürcher „Tagesanzeiger“ schreibt: „Eine demokratische Instanz bestätigt nun, traurige Ironie, dass Hirschhorn mit seinen Warnungen Recht hat.“ Die für die Kürzung verantwortlichen Politiker, so der Berner Künstler selbst, „verkaufen das Volk für dumm“.

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