Kanye West und sein Flirt mit Apple : Geschäfte sind nie persönlich

Gebt Jay-Z endlich seinen Scheck: Der Rapper Kanye West fordert Apple auf, den Streaming-Dienst Tidal zu kaufen

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Am besten in eigener Sache: Kanye West
Am besten in eigener Sache: Kanye WestFoto: dpa

Wenn der Rapper und Hip-Hop-Geschäftsmann Kanye West sich zu Wort meldet, was er a m liebsten über die sozialen Medien tut, merken die Pop-Welt und mehr noch die für den Klatsch und Tratsch zuständigen Organe auf. Am vergangenen Wochenende setzte West via Twitter mehrere Sprüchlein ab, die allerdings eine Angelegenheit für die Welt der Wirtschaft im Allgemeinen, das inzwischen angestammte Tummelfeld von Hip-Hop-und R’n’B-Superstars wie Kanye West, Drake, Rihanna oder Jay-Z, und die Internetökonomie im Besonderen sind. West twitterte, den Apple-Konzern ansprechend, auf den toten Steve Jobs anspielend, „Apple, gib jetzt Jay seinen Scheck für Tidal und hör auf damit so zu tun, als seiest Du Steve“. Und er beklagte in zwei weiteren Tweets, dass der „Apple-Tidal-Beef“ der Popmusik schade und die Kids doch Zugang zu jedweder Musik haben sollten.

Hintergrund dieser Wortmeldungen sind Verhandlungen, die Apple und der Streaming-Dienst Tidal angeblich seit einigen Wochen wegen einer Übernahme von Tidal durch Apple führen und die nicht reibungslos zu verlaufen scheinen. Wie Spotify und Apple Music ist Tidal ein Portal, auf dem man für zehn Euro im Monat den Zugriff auf ein riesiges (Pop-)Musikarchiv haben kann – allerdings hat Tidal nur knapp vier Millionen Abonnenten, Apple 15 Millionen, Spotify, der Marktführer bei den Musikdiensten, 30 Millionen. Die Geschäfte gehen also nicht gut bei Tidal, das Kanye Wests Kollege Jay-Z mit seiner Firmengruppe S. Carter Enterprises LLC und auch der Unterstützung anderer Popmusiker wie Madonna und Jack White vor anderthalb Jahren von einem norwegischen Medienkonzern erworben hatte.

Eigentlich wollte Kanye West "nie, nie, nie" zu Apple

Auch Exklusiv-Veröffentlichungen scheinen die Abonnentenzahlen nicht höher werden zu lassen: So gab es nur bei Tidal den gesamten Back-Katalog von Prince zum Streamen, inklusive rarer B-Seiten- und Live-Album-Veröffentlichungen. Und so erschienen Rihannas Album „Anti“, Beyoncés „Lemonade“ und Kanye Wests „The Life of Pablo“ zuerst bei Tidal, aber eben nicht ausschließlich: „Lemonade“ konnte man schon am Tag der Veröffentlichung bei Apples Musikshop iTunes kaufen, da hatten Tidal-Abonnennten höchstens ein paar Stunden Vorsprung. Und auch Kanye Wests „The Life of Pablo“ ließ sich bald beim Tidal-Konkurrenten Apple Music hören – obwohl West getwittert hatte, dass sein Album „nie, nie, nie“ bei Apple aufploppen oder verkauft werden würde.

Die Politik der Exklusivität zahlt sich nicht aus

Bloß kann selbst der Unternehmer und Kim-Kardashian-Ehemann Kanye West einigermaßen rechnen, was seine Stoßgebete Richtung Apple zusätzlich erklärt: 15 Millionen Hörer sind elf Millionen mehr als Tidal hat. Elf Millionen mehr potentielle Albumkäufer, die es ja hie und da noch gibt, und den einen oder anderen Cent für das Streamen gibt es zudem. Die Politik der Exklusivität zahlt sich da nicht aus.

Für die Kids, die Hörer überhaupt muss die potentielle Tidal-Übernahme durch Apple aber nicht unbedingt von Vorteil sein: mal ein Kanye-West- oder Beyoncé-Album nicht hören zu können und anderweitig erwerben zu müssen (womöglich physisch!) ist das eine. Sich aber von Apple Preise diktieren lassen zu müssen das andere. Monopole sind nie gut, schon wieder Apple!, und Tidal ist eigentlich eine vernünftige Alternative zu den Großplayern. Ein Jay-Z aber mag in einem seiner Stücke rappen, dass sein Leben ein Traum sei – nur wenn es ums Geschäft geht, ist es halt vorbei mit Träumen.

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