Kultur : Kaputt gespart

Das Ende von „Dach und Fach“ führt zum Ende vieler Denkmale

Jürgen Tietz

Der Stadtumbau Ost, ließ Manfred Stolpe dieser Tage wissen, sei 2003 gut vorangekommen, bringe er doch eine Stärkung der Innenstädte und die Erhaltung wertvoller Bausubstanz mit sich. 2004 wird das Urteil des Bundesverkehrsministers, der im Nebenberuf auch das Ressort Bau- und Wohnungswesen verwaltet sowie als „Aufbauminister Ost“ fungiert, wohl weniger positiv ausfallen. Dann nämlich greift die Streichung der Finanzmittel für das Programm „Dach und Fach“ im Osten Deutschlands – mit fatalen Folgen für zahlreiche Denkmale. Als Kulturstaatsministerin Christina Weiss im Sommer 2003 das Ende für „Dach und Fach“ bekannt gab, ging eine Aufschrei durch die bundesdeutschen Feuilletons. Doch er verhallte ungehört. Nun allerdings werden die Konsequenzen deutlich. Statt mit 6,1 Millionen Euro für die „Sicherung und die Erhaltung kleinerer Baudenkmale“ gefördert zu werden, stehen etliche Baudenkmale vor dem Nichts. Allein Brandenburg erhielt jährlich rund 1,2 Millionen Euro; Geld, mit dem die Grundsicherung bedrohter Baudenkmale durchgeführt werden konnten. Mit vergleichsweise bescheiden anmutendem finanziellen Aufwand gelang es, Teile des maroden baukulturellen Gedächtnisses der ostdeutschen Landschaften vor dem Untergang zu bewahren und zugleich bürgerschaftliches Engagement vor Ort zu aktivieren. Damit ist nun Schluss. Stattdessen fließt die Förderung jenen kulturellen Leuchttürmen zu, die noch unter Julian Nida-Rümelin in einem Blaubuch zusammengetragen wurden.

Mit kaputt gesparten Dorfkirchen und Herrenhäusern geht langfristig weit mehr verloren als nur ein paar verstreute Denkmale. Ein Stück regionaler Identität wird nun – im wahrsten Sinne des Wortes – im Regen stehen gelassen. Doch nicht nur kultur-, auch wirtschaftspolitisch ist der Verzicht auf „Dach und Fach“ kurzsichtig. Schließlich wurde jeder Euro Denkmal-Förderung in der Arbeit am Denkmal vervielfacht – weil Denkmalpflege eine besonders personalintensive Arbeit ist. Denkmalpflege stellt in Deutschland längst einen eigenen Wirtschaftsfaktor dar – vor allem für mittelständische Unternehmen. Doch deren Lobby verschafft sich im Subventionschor zu selten Gehör. Bald dürften daher die kulturellen Leuchttürme in Weimar, Dresden und Erfurt Landschaften beleuchten, denen nicht nur ihre „kleinen“ Denkmale abhanden gekommen sind, sondern mit ihnen auch die Handwerker, die sie pflegen und die Bewohner, die sie nutzen. Statt Stadtumbau Ost bedeutet das: Denkmalabbau Ost.

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