KARAJANS Klassiker (9) : Süße Jugend

Jörg Königsdorf

Der Wunsch Karajans, im Rahmen seines neuen Vertrags mit der EMI 1960 ausgerechnet Mozarts frühe A-Dur-Sinfonie aufzunehmen, dürfte den Produzenten Walter Legge genauso erstaunt haben wie die Berliner Philharmoniker. Was fand der Maestro, den es sonst nur zum Größten hinzog, am hübschen Stückerl des 18-Jährigen nur so aufregend? Und doch war für Karajan dieses Stück, das sein Mozart-Konkurrent Karl Böhm später mit den Berlinern lediglich in gediegener Kapellmeisterroutine über die Runden bringen sollte, kein bloßes Jugendwerk, sondern die Klang gewordene Jugend selbst. Schon im von den Geigen hereingehauchten ersten Thema des Kopfsatzes liegt die Unschuld des ersten Mals, in der elektrisierten Unrast der Verarbeitung, den mutwillig an den SonatensatzBauträgern rüttelnden Tutti wird die Atemlosigkeit des Entdeckens spürbar. Als ob sich für Mozart plötzlich das Tor zur Genialität mit ihren unbegrenzten Möglichkeiten aufgetan hätte, als ob die Musik genau diesen Augenblick für die Ewigkeit auf Notenpapier gebannt hätte.

Auch der langsame Satz wird so zum Wunderwerk einer intuitiven Erkenntnis: Anhebend in wunderkindlich-rokokohafter Anmut, gewinnt die Musik unversehens die ariose Sinnlichkeit, die auf die großen Opern vorausweist, wird innerhalb weniger Takte erwachsen. Und das Finale? Ein Fanal, dessen schmetternde Hornfanfaren den jungen Helden schon zu neuen Taten rufen. Ach, genauso war es doch mit 18. Jörg Königsdorf

Mozart, Sinfonie Nr. 29. A-Dur, KV 201, 1960 (EMI)

Am 5. April 1908 wurde in Salzburg

Herbert von Karajan geboren.

Bis zu seinem 100. Geburtstag empfehlen wir täglich: das Schönste aus

seinen 690 erhältlichen Aufnahmen

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