Karikaturen-Ausstellung in Hanau : Der Rückzug vom Rückzug

Erst abgesagt, nun doch geplant: Hanau zeigt eine Werkschau der Karikaturen von Achim Greser und Heribert Lenz.

Mattes Lammert
Keine Angst. Die Karikaturisten Achim Greser (r.) und Heribert Lenz.
Keine Angst. Die Karikaturisten Achim Greser (r.) und Heribert Lenz.Foto: dpa

Nach den Anschlägen auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ liegen die Nerven vieler Karikaturisten blank. Keine einfache Zeit für sie – selbst wenn sie sich nicht vordringlich mit Mohammed beschäftigen. So hatte die Stadt Hanau eine geplante Ausstellung des KarikaturistenDuos Achim Greser und Heribert Lenz vor einigen Tagen aus Sicherheitsgründen abgesagt. Nun soll die Werkschau aber doch wie geplant im März im Museum Hanau in Schloss Phillipsruhe stattfinden.

Greser & Lenz illustrieren regelmäßig für die „FAZ“ politische Themen. Ihre Ausstellung war zuvor im Zeppelin-Museum Friedrichshafen zu sehen – vor den Pariser Ereignissen. Seitdem wird offenbar doppelt genau hingeschaut, wenn Karikaturen gezeigt werden. Dabei setzt sich nur ein kleiner Teil der 200 Bilder von Greser & Lenz mit religiösen Themen auseinander, eine Mohammed-Karikatur war in Friedrichshafen gar nicht dabei. Trotzdem hält die Stadt umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen für notwendig, die angesichts knapper Kassen nur schwer zu finanzieren sind. Eine Absage schien daher geboten.

Doch angesichts empörter Reaktionen der Lokalpresse will Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) nun nichts mehr davon wissen und begründet auf einer Pressekonferenz am Dienstag den Rückzug vom Rückzug: „In diesen Tagen und Wochen können wir auf eine solche Ausstellung nicht verzichten.“ Die finanzielle Mehrbelastung hoffe man, durch öffentliche Zuschüsse und private Spender abfangen zu können.

Die Karikaturisten selbst zeigen Verständnis für das Gerangel. „Es will sich ja keiner dem Vorwurf aussetzen, jetzt in dieser Lage als demokratischer Hosenscheißer dazustehen“, so Achim Greser gegenüber dem Tagesspiegel. Zwar gäbe es auch islamkritische Karikaturen in der Ausstellung, doch stehe die Religionskritik keinesfalls im Mittelpunkt ihrer Arbeit. „Karikaturen sollen zum Lachen bringen. Wenn sie darüber hinaus zum Nachdenken anregen, umso besser. Doch ist das nicht unser vorrangiges Ziel.“ Einschränken lassen möchte man sich als Künstler aber auch nicht. Daher überlegen sie, die bisher einzige Mohammed-Karikatur, die sie als Reaktion auf die Ereignisse in Paris gezeichnet haben, doch in der neuen Ausstellung zu zeigen. In Zeiten wie diesen wird die Meinungsfreiheit auch in Hanau verteidigt.

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