Kultur : Karlsruhe stärkt Kunstfreiheit

Das Bundesverfassungsgericht hat die Klagen gegen ein Theaterstück und eine Romanveröffentlichung wegen der angeblich ehrverletzenden Darstellungen realer Vorbilder abgewiesen. Theaterstücke oder literarische Werke seien zunächst immer als „Fiktion“ ohne Anspruch auf Wahrheitsgehalt anzusehen, so die Richter. Dies gelte auch dann, wenn hinter den Figuren reale Personen erkennbar seien. Im ersten Fall hatte die Mutter eines Mädchens aus Hagen geklagt, das 2004 im Alter von 14 Jahren von ihrem Liebhaber ermordet worden war. Durch das Theaterstück sah die Klägerin die Persönlichkeitsrechte ihrer Tochter verletzt. Die Darstellung habe deren frühreife sexuelle Ausrichtung sowie ihre charakterliche und moralische Haltlosigkeit betont, so die Mutter.

Im zweiten Fall mussten sich die Richter mit dem autobiografischen Roman „Pestalozzis Erben“ befassen. Der Autor und Leiter des Gymnasiums Oerlinghausen in Nordrhein-Westfalen, Friedrich Mahlmann, hatte darin Lehrer als faul, anmaßend, unpünktlich und krankfeiernd dargestellt. Zwei seiner ehemaligen Kollegen glaubten, sich in den Romanfiguren wiederzuerkennen und klagten.

Die Richter betonten nun, die Kläger hätten keine Argumente dafür vorgetragen, dass die in den Kunstwerken dargestellten Ereignisse tatsächlich geschehen seien. Allein die Erkennbarkeit von Figuren sage nichts darüber aus, ob ein Werk es nahelegt, die negativen Handlungen der Kunstfiguren als tatsächliche Ereignisse zu verstehen. An solchen Schlussfolgerungen fehle es aber sowohl im Theaterstück als auch in dem Roman.

Die Richter hatten vergangenen Oktober im Fall des Romans „Esra“ von Maxim Biller entschieden, dass die Kunstfreiheit erst dann eingeschränkt werden müsse, wenn sie „zweifelsfrei“ und „schwerwiegend“ die Persönlichkeitsrechte Dritter beeinträchtige. AFP

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