Kultur : Karneval der Techno-Mäuse

OPER

Uwe Friedrich

Was macht der verklemmte Polizist bei Schichtende? Klar, er giert die Kollegin an. Was macht die enthemmte Frau im Karneval? Klar, sie macht den attraktivsten Mann im Saal an, auch wenn sie nicht mit ihm verheiratet ist. Und was macht die vollgedröhnte Techno-Maus wenn ihr langweilig ist? Schon klar. Eitelkeit, Begehren und Einsamkeit sind die verbindenden Themen in „Schichtwechsel“ von Linguist (Texte) und Rainer Kilius (Musik).

Die lose zusammengehaltene Nummernrevue nennt sich RAPsodie und bringt wohl zum ersten Mal den rhythmisierten Sprechgesang als stilbildendes Mittel auf die Opernbühne, aber nicht nur. Die vier Darsteller gehen beim Singen mit dem Publikum auf Tuchfühlung. Ein Spielsteg zieht sich durch die Kammerbühne der Neuköllner Oper , ermöglicht Auftritte von beiden Seiten, die Instrumentalisten sitzen über den Köpfen der Beteiligten. Die virtuose Mischung aus selbstgesungenem Beat und scheinbar aus dem Moment geborenem Text geht am besten auf, wenn Marco Billep als Wachmann hinter dem Ladendieb des Frank Ablorh-Odjidja her ist und seine Freundin über ihn erzählt. Kurz darauf liefern die beiden sich einen erstklassigen Hahnenkampf, wie alle Männer nur von dem Wunsch gesteuert, ihre unverwechselbare Duftmarke zu hinterlassen.

Die schönste Szene kommt allerdings ganz ohne Worte aus: Während draußen eine Karnevalsparty entgleist, kommen sich die zusehends enthemmteren Teilnehmer im Nebenraum näher. Das ist fein beobachtet und originell umgesetzt. Nicht nur hier können auch Frederike Haas und Dominik Schulz beweisen, dass sie nicht nur die allzu glatten Verse auswendig gelernt haben. Gerührt? Nein. Geschüttelt? Auch nicht. Aber anderthalb Stunden lang gut unterhalten.

Weitere Vorstellungen am 14., 15., 17., 20., 21., 22., 24. und 25. Februar.

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