Kultur : Katja Zanella, Neuberlinerin aus der Schweiz

-

Ich bin erst vor drei Wochen aus dem Kanton

Wallis in der Schweiz nach Berlin gezogen. Kaum sind die Koffer richtig ausgepackt, stehe ich schon in der Schlange für Tickets an. Auf die Berlinale gehe ich zum ersten Mal: Bisher kannte ich sie nur aus der Zeitung und aus dem Fernsehen. Wenn ich jetzt schon in Berlin bin, will ich mir das auch mal anschauen. Insgeheim hoffe ich, dass ich bei einer der Premieren einen der

Schauspieler oder Regisseure treffe.

Leider stehe ich noch ziemlich weit hinten in der Schlange, das dauert bestimmt noch eine Weile, bis ich vorne bin. Ein bisschen nervig ist das schon: Jeden Tag möchte ich nicht hier anstehen. Insgesamt gucke ich mir vielleicht so vier bis fünf Filme an. Gerade habe ich gehört, dass „Elementarteilchen“ von Oskar Roehler schon ausverkauft ist. Schade, aber der Film kommt ja auch in die normalen Kinos. Auf jeden Fall möchte ich „The New World“ sehen, das ist ein amerikanischer Film von Terrence Malick über einen Engländer, der sich im nordamerikanischen Urwald in die Häuptlingstocher Pocahontas verliebt. Der Film spielt im 17. Jahrhundert und soll sehr bildgewaltig sein.

Mit Bildern habe ich auch beruflich viel zu tun, ich bin nämlich Fotografin. Den Bilder-Blick bringe ich sozusagen gleich mit. Ich glaube schon, dass Fotografen Kinofilme mit anderen Augen sehen. Für ein halbes Jahr arbeite ich jetzt in einem Berliner

Atelier, vor allem mache ich Porträts.

Ob ich auf Dauer in dieser Stadt bleiben möchte, weiß ich noch nicht. In

Wallis ist es persönlicher als hier, dort lebt man ein ganz anderes, auch ruhigeres Leben. In so einer großen, unüberschaubaren Großstadt wie Berlin kommt man sich manchmal ein bisschen verloren und klein vor, aber vielleicht geht das allen so am Anfang.

Aufgezeichnet von Anne-Dore Krohn

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben