Kultur : Keimzellen

Katrin Wittneven

Das Haus hat die Farbe von Erdbeereis, die Tür ist schwarz und der Aufstieg in den vierten Stock ein wenig beschwerlich. Dann steht man im Flur und ist schon angekommen. korridor nennt sich der Ausstellungsraum, der sich in einer Wohnung in Prenzlauer Berg verbirgt (Raabestraße 2, Sonntags 18–20 Uhr, www.korridor.in) . Die beiden Kunsthistorikerinnen Fanny Gonella und Sabine Schmidt zeigen hier in privatem Rahmen seit einem knappen Jahr Werke junger Künstler. Aktuell treffen unter dem Titel „Superstructure doubled“ stelenartige Holzskulpturen, Wandarbeiten sowie ein Video von Oystein Aasan und Mladen Bizumic aufeinander (bis 26. März) . Beide Künstler bewegen sich in Referenzsystemen, die Utopien der Moderne zitieren. So greift eine Arbeit subtil die Visionen des französischen Architekten ClaudeNicolas Ledoux auf. Der norwegische und in Berlin lebende Aasan und der in Neuseeland aufgewachsene und in Wien lebende Bizumic waren sich vor der Ausstellung nicht einmal begegnet, planten die Show per E-Mail und steuern am Ende sogar ein gemeinsames Werk bei: eine CD, die der Besucher mit in die eigenen vier Wände nehmen kann.

* * *

Projekträume, Wohnungsgalerien und andere Low-Budget-Ausstellungsräume erleben in Berlin einen Boom wie zuletzt Mitte der neunziger Jahre. Ganze 25 empfehlen die Kuratoren der 4. Berlin Biennale im aktuellen „Index“, dem Falt- und wichtigsten Infoblatt für Berlin-Mitte, darunter Unternehmungen mit so erstaunlichen Namen wie „Familienbande Schauraum 1“, „Autocenter“ oder „Brix“, die ihrerseits ab 17. März die „5. Berlin Biennale“ eröffnen. Längst sind die Grenzen fließend geworden zwischen „Off-Spaces“, Projekträumen, Produzenten- und Künstlergalerien oder temporären Ausstellung sprojekten wie der famosen Wandelausstellung Sehnsüchtig gleiten Ballone rund um die Welt , für die die Kunsthistorikerinnen und Kuratorinnen Caroline Eggel und Christiane Rekade in eine Baulücke Gormannstraße/Ecke Mulackstraße einen Pavillon von Riccardo Previdi bauen ließen (bis Juni).

* * *

Lena Ziese war dagegen selbst Künstlerin, bevor sie die Seiten wechselte und im September den Ausstellungsraum JET in einem etwas toten Winkel nicht weit vom Alexanderplatz eröffnete – gleich neben der Jet-Reinigung und einer billigen Foto-Entwicklungskette namens Jet (Memhardstraße 1, Donnerstag bis Sonnabend 16–19 Uhr, www.j-e-t.org) . Im ersten Jahr hat sie Gastkuratoren unter den Schlagworten „Was Wäre Wenn“ eingeladen. Aktuell sind Arbeiten von dem Berliner Künstlerduo Hörner / Antlfinger und dem bulgarischen Künstler Ivan Moudov zu sehen (bis 18. März). Der Raum funktioniert nicht wie eine kommerzielle Galerie, sondern finanziert sich momentan mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds, Entwicklungen sind aber in alle Richtungen möglich. Es sei so ein „Dazwischending“ sagt Lena Ziese, ein lustiges Wort, das wohl für viele Projekträume der neuen Generation gilt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar