Kultur : Kein Glück im Dreieck

Frank Noack

Ein sinnliches Meisterwerk von Gerardo Vera mit Javier Bardem und Cecilia RothFrank Noack

Elena (Ariadna Gil) spürt, dass mit ihrem Ehemann etwas nicht stimmt. Alberto (Jordi Molla), gut verdienender Flugbau-Ingenieur, ist zwar immer nett zu ihr, aber irgend ein Geheimnis trägt er mit sich herum. Ein erstes Indiz ist die Hotelrechnung, die Elena in seinem Portemonnaie findet. Er geht fremd. Dann lässt Alberto sein Handy liegen. Elena hört es ab. Die gespeicherte Nachricht verrät mehr, als zu erwarten war, denn Elena hört eine Männerstimme. Ihr Mann ist bisexuell.

Merkwürdig, wie sehr das scheinbar alltägliche Thema der Bisexualität tabuisiert wird. Kommt sie in einem Film einmal vor, werden die mit ihr verbundenen Probleme verdrängt. Sie gilt als Spiel, das in der Weimarer Republik Mode war ("Cabaret") oder in den wilden 70er Jahren ("Velvet Goldmine"). Der spanische Regisseur Gerardo Vera führt in seinem Film "Segunda piel" eindringlich vor, dass den Beteiligten einer bisexuellen Dreierbeziehung überhaupt nicht zum Lachen zumute ist. Am allerwenigsten Alberto, der sich spontan übergibt, als seine Frau sich um eine Aussprache bemüht. Nichts liegt ihm ferner als ein spielerischer Umgang mit seiner Sexualität. Das erklärt seine finstere Ausstrahlung. Elenas Mutter mag ihn nicht, ohne sein Geheimnis zu kennen. Die Ärztin Eva (Cecilia Roth), die beste Freundin seines Liebhabers, mag ihn auch nicht, ganz intuitiv.

Den schwulen Liebhaber Diego spielt Spaniens Vorzeige-Macho Javier Bardem, der mit dem Stiernacken und der plattgeboxten Nase. Er hätte dafür einen Preis als bester heterosexueller Darsteller in einer schwulen Rolle verdient. Vergessen wir Tom Hanks, Grard Dépardieu, Kevin Kline und Götz George. Bardem schafft es, Verspieltheit und Verletzbarkeit nebeneinander existieren zu lassen. Er ist der Haupt-Sympathieträger in diesem bemerkenswert objektiven Film. Obwohl Alberto seiner Frau und seinem Liebhaber weh tut, sie länger belügt als nötig, lädt auch er zur Identifikation ein.

Da alle Protagonisten gut verdienen, ist der Film ein Fest fürs Auge; in teuren Restaurants werden teure Mahlzeiten verspeist, und Diego wohnt direkt am Meer. Gerardo Veras "Segunda piel" bietet in mehrfacher Hinsicht sinnliches Kino. Man könnte geradezu von einem Meisterwerk sprechen, wäre da nicht eine banale, aufdringliche Musik. Schießen Sie auf den Komponisten.Heute 21.30 Uhr (Zoo-Palast), morgen 15 Uhr (CinemaxX 7), 18.2., 17 Uhr (International)

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