Kultur : "Kein Heimatmuseum, keine Krämerkiste"

MICHAEL CULLEN BERNHARD SCHULZ

Trennung des Jüdischen vom Stadtmuseum? Gerücht und DementiVON MICHAEL CULLEN /BERNHARD SCHULZDie Stiftung Stadtmuseum Berlin (SSMB) soll, wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, an Haupt und Gliedern reformiert werden.Ein Fachbeamter bereite die Novellierung des Stiftungsgesetzes vor.Möglicherweise wird diese Novelle bereits im späten Frühjahr zusammen mit jener eingebracht, durch die das Jüdische Museum aus dem Verbund der Stadtmuseen ausgegliedert werden könnte.Kultursenator Radunski habe den Anstoß dafür gegeben.Er sei zu der Ansicht gelangt, daß die SSMB durch die Entlassung des vormaligen Direktors des Jüdischen Museums, Amnon Barzel, nicht aktionsfähiger geworden sei.Deutlicher als vor einem Jahr werde der Führungsstil des SSMB-Generaldirektors Reiner Güntzer für problematisch erachtet.Die Zusammenarbeit mit dem Interimsdirektor des Jüdischen Museums, Michael Blumenthal, werde von Seiten der SSMB skeptisch eingeschätzt.Das Stadtmuseum habe an Profil verloren.Das Märkische Museum habe zu DDR-Zeiten mehr geleistet.Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch das 476seitige "Jahrbuch 1995" der SSMB, das erst jetzt, fast drei Jahre nach dem Berichtszeitraum, erhältlich ist.Darin wird die Gründung der SSMB aufgrund einer "politischen Vorgabe" mit vielen Gesetzen und Protokollen dokumentiert, diese "politische Vorgabe" zur Zusammfassung der stadtgeschichtlichen Museen jedoch nicht belegt.In welche Richtung die SSMB-Novelle geht, sagen die internen Beobachter, sei nicht zu erkennen, es gebe unterschiedliche Ansätze: so die Idee, das Kollegienhaus - das alte Berlin Museum in der Lindenstraße - dem Libeskindbau zuzuschlagen und es damit zum Teil des Jüdischen Museums zu machen.Dies würde die Stadtgeschichte auf das Märkische Museum konzentrieren.Doch sei Generaldirektor Güntzer nicht bereit, sein "Lebenswerk" aufzugeben.Falls es zu einer vollständigen organisatorischen Trennung des Jüdischen vom Stadtmuseum komme, werde er eine ihm unterstehende, jüdische Abteilung einrichten.Dabei würden die meisten Sammlungsgegenstände dem Stadtmuseum zufallen.Der Sprecher des Kultursenators, Axel Wallrabenstein, weist solche Gerüchte allerdings zurück.Auf Anfrage erklärte er dieser Zeitung, vom Senat werde am "integrativen Modell" festgehalten, was den Verbund des Jüdischen Museums mit der SSMB bedeutet.Zu dem vorliegenden Entwurf der Novelle habe Direktor Blumenthal, der am morgigen Dienstag in Berlin zurückerwartet wird, Änderungswünsche eingebracht; auf einer räumlichen Trennung bestehe er jedoch nicht.Mit Sicherheit wolle der Senat aus dem Libeskindbau "kein Heimatmuseum und keine Krämerkiste" machen, dafür habe man nicht 100 Millionen DM investiert, sondern für ein Haus mit Ausstrahlung "weit über Berlin hinaus".Ferner verweist der Sprecher des Kultursenators auf Libeskinds Eintreten für die Darstellung von "jüdischem Leben im Berliner Leben" innerhalb des gemeinsamen, von ihm entworfenen Museumsgebäudes.Ein Engagement des Bundes, wie es für eine Verselbständigung des Jüdischen Museums erforderlich wäre, sei nicht zu erwarten.Wallrabenstein lobte ferner die Hilfe der Akademie der Künste und ihres Präsidenten György Konrád bei der Suche nach einer pragmatischen Lösung im Sinne des integrativen Konzeptes.

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