Kultur : Kein Käufer, nirgends

Depressives Belgien: „Ultranova“

Kerstin Decker

Dimitri hat eines jener seltenen weit offen stehenden Gesichter, die aussehen, als sei ihr Besitzer ganz neu auf der Welt. So schutzlos. So schutzbedürftig. Frauen mögen solche Gesichter. Wahrscheinlich hat der Junge Dimitri auch eine schwere irgendwie osteuropäische Vergangenheit – ganz genau erklärt das „Ultranova“ von Bouli Lanners nicht, denn wir haben es hier mit dem Genre des Andeutungsfilms zu tun. Der Andeutungsfilm ist eine Hauptabteilung des Kunstfilms, Unterabteilung ambitionierte Depression, was hier nur angedeutet sei.

Ich zeige die Welt in ihrer natürlichen Traurigkeit, sagt der Regisseur. Da haben wir’s! Menschen, die keine Angst haben vor solchen Sätzen, sollten „Ultranova“ unbedingt sehen. „Ultranova“ kommt wie sein Regisseur aus Belgien, auch ein irgendwie trauriges Land. Dort, wo das Land am belgischsten ist, verkaufen Dimitri und seine Kollegen Fertighäuser. Doch kein Käufer, nirgends. Auch die beiden Mädchen in dem großen Möbellager wirken ziemlich verloren. In das Lager kommt ebenfalls nie jemand, was nichts Gutes über den belgischen Möbelbinnenmarkt verrät. Dafür lieben die beiden Wächterinnen unverkäuflicher Möbel den Anbieter unverkäuflicher Fertighäuser. Immerhin.

„Ultranova“ hat schönelangsametraurige Bilder, eine schönelangsametraurige Musik, schönelangsametraurige Gesichter und eine Handlung (oder viele Handlungen), die keine ist, aber das ist – siehe oben – in solchen Filmen immer so. Mit anderen Worten: „Ultranova“ ist der perfekte Film zur Unterstützung unserer Januardepression.

fsk am Oranienplatz

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