Kultur : "Kein Kaffee, kein Fernsehen, kein Sex": Enthaltsamkeit, ade

Heike Kunert

Es gibt viele Gründe, wenn sich ein Paar nichts mehr zu sagen hat. Der eine: Blicke genügen, um sich zu verstehen. Der andere: Man hat schon alles jemand anderem gesagt. Das bezeichnet man als Untreue - der kleine Krimi im Herzen.

Arno (Vincent Coppey) lebt in einem besetzten Haus in Genf unter der Maxime "Kein Kaffee, kein Fernsehen, kein Sex". Frauen beobachtet er lieber. Als sein Freund Maurizo (Pietro Musillo) nach einem Jahr wieder zu ihm ziehen will, bekommt sein mönchisches Dasein weltliche Züge. Denn Maurizio kommt nicht allein. Er bringt seine französische Freundin Nina (Alexandra Tiedemann) mit. Es ist abgemacht, dass Arno Nina heiratet, damit sie keine Probleme mit dem Aufenthaltsrecht bekommt. Zudem will das Paar zu Arno in die Besetzer-WG ziehen. Der Tatort hat sich aufgebaut, das Motiv ist klar und kommt mit einer Einfachheit daher, die wehrlos macht: Nina ist hübsch, nein schön. Und das ist bekanntlich ein gutes Fundament für Untreue.

Wie es der Zufall will, muss Maurizio schon am zweiten Tag seiner Ankunft zurück nach Paris. Die Geschichte könnte hier aufhören, denn, was wir ahnen, ist ja schon längst geschehen. Nämlich im Kopf. Natürlich verlieben sich Arno und Nina bei ihren Streifzügen in Genf ineinander. Es sind Andeutungen und Schüchternheiten, Blicke und Berührungen, die die Emotionen erlebbar machen. Und gleichzeitig weiß man, dass mit Beginn der neuen Liebe die Ungewissheit geboren wird. Als Arno eines Morgens mit einer Kanne Kaffe aus seinem Zimmer kommt, wird klar, dass er sich leichten Herzens von seiner Enthaltsamkeit verabschiedet hat. Er liebt Nina und Nina liebt ihn. Sie liebt aber auch Maurizio. Und als der zurückkehrt, verkompliziert sich die Lage. Arno drängt darauf, Maurizio alles zu erzählen. Der reagiert eifersüchtig, hofft aber, dass sich die Verliebtheit mit der Zeit legt. Maurizio hat nichts dagegen, wenn beide miteinander schlafen, aber nicht mehr. Diesen auf Körperlichkeit ausgerichteten Kompromiss kann Arno nicht ertragen und zieht sich zurück.

Der Film von Romed Wyder kommt mit einer Leichtigkeit daher, die trotzdem betrübt macht. Weiß man doch als Zuschauer, dass es aus einer Dreierbeziehung kein Entrinnen ohne Schmerz gibt. Die Hauptdarsteller agieren, als würden sie diese Gefühle zum ersten Mal erleben. So ist auch der Schluss, die Hochzeit von Arno und Nina, nur ein Kompromiss mit der Ausweglosigkeit.

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