Kultur : Kein Schuss, kein Tor

„Goal“ und „Ein Mann für eine Saison“: Fußball-Filme machen Stimmung für die WM

Karl Hafner

Es ist frappierend, was Marketing-Überlegungen aus Filmen machen. In dieser Woche laufen mit „Ein Mann für eine Saison“ von den Brüdern Farrelly, einer Verfilmung von Nick Hornbys Fußball-Roman „Fever Pitch“, und mit Danny Cannons „Goal!“ zwei Filme in Deutschland an, die wohl primär für den amerikanischen Markt gedreht sind und jetzt nebenbei ihr Glück in Europa versuchen: Beide sind Fußball-Filme, die doch keine sind.

Die Brüder Bobby und Peter Farrelly haben für ihren Film Hornbys Fußball-Geschichte einfach in die Welt des Baseballs gepackt. Die Boston Red Sox sind für den Lehrer Ben (Jimmy Fallon) zwar eine Obsession. Doch man bekommt schnell das Gefühl, er könnte genauso gut mit Modelleisenbahnen spielen. Es fehlt ihm der Glaube von Hornbys Roman-Fußballfan, das eigene Leben müsse zwangsläufig schlecht verlaufen, solange das eigene Team verliert.

Hier geht es nur nebenbei um den Sport, hier geht es um Liebe. Die Geschäftsfrau Lindsey (Drew Barrymore) glaubt in Ben den perfekten Mann getroffen zu haben. Seine Baseball-Leidenschaft findet sie anfangs noch süß. Doch für ihn kommt erst der Baseball, dann eine Beziehung. Also wird gestritten, dann trennt man sich. Am Schluss steht die Erkenntnis, dass Liebe stärker ist als alle männlichen Spinnereien. Spätestens beim Liebesbeweis vor den Fernsehkameras im klinisch sauberen Baseball-Stadion sehnt man sich nach der bierseligen Meisterschaftsfeier in Highbury aus Hornbys Roman.

In Hollywood arbeitet man daran, Europas Lieblingssport Fußball in Amerika zu etablieren. Der Grund liegt auf der Hand: Zur WM 2006 will ein widerspenstiger Markt erschlossen sein. Danny Cannons „Goal!“ wirkt wie ein kühl kalkulierter Image-Film der FIFA und eines Sportartikelherstellers. Beide sind massiv an diesem Projekt beteiligt. Hier wurde an alles gedacht, um einen größtmöglichen Werbe-Effekt zu erzielen. Europäische Fußball-Stars wie Beckham und Zidane treten auf, echte Spielszenen im St. James Park von Newcastle United werden mit Spielfilmszenen gemischt. Alles soll möglichst flott sein, und gleicht dabei einem Werbeclip für Fußballschuhe. Mit dem Mannschaftssport Fußball hat das Gezeigte relativ wenig zu tun.

Die Handlung ist eine einzige Aneinanderreihung von Sportfilm-Klischees nach dem Motto: Glaube an dich und arbeite hart! Ein Junge aus einfachen Verhältnissen (Kuno Becker) – aus Amerika – spielt sich aus dem Nichts nach oben in die erste Riege der englischen Fußball-Profis und schießt schließlich das Tor im entscheidenden Spiel. Auf dem Weg dorthin gibt es die üblichen Hindernisse im 20-Minuten-Takt, so vorhersehbar wie der nächste Meistertitel von Bayern München. Als Kinofilm ist „Goal!“ uninteressant, er ist wohl nur Auftakt eines Werbefeldzuges, der noch zwei weitere Teile vorsieht: unser Held in der Champions-League und bei der WM 2006. So leicht wird sich Amerika hoffentlich nicht zum Fußball bekehren lassen.

„Goal“ läuft in sechs Berliner Kinos, „Ein Mann für eine Saison“ in den Cinestars Treptower Park und Sonycenter (OV)

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