Kultur : Keine Angst vorm Ausland!

Wenn er sich nicht künstlich klein macht, steht der deutsche Film prima da

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XFilme feiert in diesem Sommer seinen 10. Geburtstag. Als wir deshalb kürzlich zusammen saßen, stellten wir fest: Viel hat sich in der deutschen Filmlandschaft nicht geändert. Wir, das sind die Regisseure Wolfgang Becker, Dani Levy, Tom Tykwer und ich als Produzent, später kamen die Produzentinnen Maria Köpf und Manuela Stehr hinzu. 2000 haben wir außerdem einen eigenen Verleih gegründet. Vor zehn Jahren schlossen wir uns à la United Artists zusammen, um der Abhängigkeit von den Fernsehsendern und der Schwierigkeit der freien Filmfinanzierung mit vereinten Kräften zu begegnen.

Meine Ideen für die Zukunft des Films sind dieselben wie damals: Wir wollen exportfähig sein, die Kofinanzierung muss internationaler und die Beteiligung der Fernsehanstalten der in anderen europäischen Ländern angeglichen werden.

Das ist eine Sisyphos-Arbeit. Produzenten sind nicht sonderlich beliebt in Deutschland: Die erste größere Finanzierung nach „Good Bye, Lenin!“ war eine unserer schwierigsten. Die Obergrenze des Budgets hängt oft eng mit der Obergrenze des Neides zusammen. Aber trotz dieser Widerstände – trotz der Banken, die keine Kredite mehr geben wollten, trotz der Förderer, die uns immer mehr gängeln – ist die Branche mit Sieben-Meilen-Stiefeln vorgeprescht. Im Gründungsjahr von X-Filme war „Abgeschminkt“ das Highlight des deutschen Films. Und jetzt? Wir haben tolle Regisseure, Becker, Levy und Tykwer, aber auch Oskar Roehler, Caroline Link oder Christian Petzold. Wir haben herausragende junge Talente wie Hans Weingartner oder Achim von Borries und tolle Autoren; die Qualität unserer Filme hat sich gewaltig verbessert. Allein die neuen Filmpreis-Nominierungen, vom „Wunder von Bern“ über „Schultze gets the Blues“ bis zu den Debüts „Kroko“ oder „Muxmäuschenstill“! Mit Publikumsrennern wie „Good Bye, Lenin!“ oder „Luther“ ist das ein großartiges Spektrum.

Jetzt müssen wir nur noch aufhören, uns künstlich klein zu halten, und uns auf das Eigentliche besinnen. Welche Geschichte ist es wert, erzählt zu werden? Bei welchen Stoffen geht mir das Herz auf? Wie gelingt der Spagat zwischen Junggenie und großem Kino? Besucherzahlen werden immer wichtiger, aber die Sehnsucht des Publikums darf man nicht mit dem Zwang zum Kassenerfolg verwechseln. Erst wenn wir aufhören, auf die aktuellen wirtschaftlichen Verwerfungen nur zu reagieren, kommen wir weiter. Lasst uns Stoffe entwickeln und uns auf unseren Riecher verlassen! Zumindest im Kopf sollten wir uns von den Geldsorgen befreien.

Und was heißt deutscher Film? Ich arbeite gerade mit einem Koproduzenten an einer Biografie, die Ende der Barockzeit in Italien spielt. Ich produziere mit einer Erstlingsregisseurin einen Film in Israel – so deutsch habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

Film ist keine nationale Angelegenheit. Wir Produzenten sollten uns gegen den europäischen Föderalismus wehren. Meine Zukunftsvision vom Kino? Kino ist eine breite Kunstform. Begabte Regiedebütanten müssen nicht mehr Omas Häuschen verscherbeln, um ihr Projekt zu realisieren. Die Macher haben mehr Wagemut. Es sind Großprojekte möglich, ohne dass parallel auch noch der Fernseh-Zweiteiler dazu produziert werden muss. Und: bloß keine Angst vorm Ausland!

Der Autor ist Produzent und Gesellschafter der Berliner Firma X-Filme, die „Good Bye, Lenin!“ produziert hat. Foto: dpa

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