Kultur : Keiner wie Heiner

Ein Lesebuch über den Autor Moritz Rinke

Der Gießener Literaturwissenschaftler Kai Bremer hat als ersten Band einer neuen Reihe „Literarisches Leben heute“ ein „Moritz-Rinke-Arbeitsbuch“ herausgebracht. Doch das Buch macht viel weniger Arbeit als Vergnügen. Es ist der Versuch, sich dem Dramatiker, Romancier und Tagesspiegel-Autor Moritz Rinke von allerlei Seiten und auf vielerlei Weise zu nähern.

Mehrere Essays von Bremer und anderen widmen sich Rinkes Stücken, etwa der Verbindung von „Ökonomie und Theater“ in den absurd realistischen Arbeits- und Arbeitslosenkomödien „Republik Vineta“ oder „Café Umberto“. Es wird gefragt, „Wo ist die Wut?“ des „Jungen Milden“, der so milde gar nicht ist, wie Ulrich Khuon, der Intendant des Deutschen Theaters Berlin, in einer Hommage an Rinke schreibt. Verena Auffermann spricht mit Rinke über „Ethik und Literatur“, der Regisseur und Choreograph Johann Kresnik nennt den 1967 in Worpswede Geborenen „Fast ein(en) Sohn“, Mario Adorf ist stolz, Rinke auf den Nibelungen-Stoff und zu den Wormser Festspielen gebracht zu haben. Klaus Völker rühmt die „Melodie des Möglichkeitssinns“, und Rinkes Dramatiker-Kollege John von Düffel sagt: „Humor macht einsam.“ Es gibt ein Werkstattgespräch mit dem Autor über seinen im letzten Jahr erschienenen ersten Roman „Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“, zudem hat der Regisseur Stephan Kimmig eine eigene Rinke-Poesie geschrieben und der Gießener Anglist Ulrich Horstmann gar eine rinkische „Römische Elegie“.

Günther Rühle und Peter von Becker beobachten Rinkes Anfänge und Fortschritte als Tagesspiegel-Mitarbeiter und Zeitungsschriftsteller, die Fußballtrainer-Legende Hans Meyer verdankt seinem Stürmer Moritz R. eine Vizeweltmeisterschaft (der deutschen Autoren-Nationalmannschaft), und der Hamburger Theaterdramaturg Michael Pfropfe beginnt seine Skizze so: „Rinke ist anders. Rinke ist wie Rilke mit Hasenscharte. Also komisch. Jedenfalls unernst. Oder jedenfalls ernst, aber heiter ... Auf keinen Fall einer wie Heiner Müller.“ Das ist wohl wahr. Tsp





Kai Bremer (Hrsg.):
„Ich gründe eine

Akademie für Selbstachtung.“ Moritz- Rinke-Arbeitsbuch.

Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, 212 Seiten, 19,80 Euro

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