Keir-Collection : Aus der Traum

Freundschaften zwischen Museen und Privatsammlern sind oft brüchig: Warum das Islamische Museum Berlin die Keir-Collection verliert.

Jens Hinrichsen
Schatz des Orients. Moses beobachtet den Untergang des Pharaos, aus der Weltgeschichte des Hafiz-i Abru, Herat (1425).
Schatz des Orients. Moses beobachtet den Untergang des Pharaos, aus der Weltgeschichte des Hafiz-i Abru, Herat (1425).Foto: Museum

Über Peinliches verliert man ungern viele Worte, auch nicht in der Öffentlichkeitsarbeit. Schmallippig geben sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Staatlichen Museen zum Thema „Keir Collection“. Presse und Publikum wurden spät und spärlich informiert. Seit Mitte Juni wird keines der 117 Objekte aus der Sammlung Edmund de Unger mehr im Museum für Islamische Kunst gezeigt, das Konvolut geht Stück für Stück retour nach London. Dass eine der vielversprechendsten Kooperationen zwischen Privatsammlern und Berliner Museen geplatzt ist, war einer dürren Pressemitteilung vom 13. Juli zu entnehmen.

Ganz anders der Auftakt mit der Ausstellung „Sammlerglück“ im Jahr 2007. Im Juni 2009 wurde dann angekündigt, dass die Kollektion dauerhaft umziehen soll. Die Korken knallten, ein Vertrag über 15 Jahre Leihgabe von über 1500 Objekten war unterschrieben. Es sah so aus, als könnten einige Lücken in der Museumssammlung geschlossen werden. „Vor allem ägyptische Objekte des zehnten und elften Jahrhunderts hätten hervorragend gepasst“, sagt Stefan Weber, Direktor des Islamischen Museums.

Dass der Traum geplatzt ist, hat mehrere Gründe. Zwischen Privatsammlern und Museen werden oft eher brüchige Freundschaften geschlossen. Außerdem sind in den vergangenen fünf Jahren die Posten des Generaldirektors der Staatlichen Museen, des Präsidenten der Preußenstiftung und des Direktors des betroffenen Museums neu besetzt worden. Die Ansichten darüber, wie knapper werdende Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden könne, dürfte sich gewandelt haben.

Vor allem aber: Edmund de Unger ist im Januar 2011 mit 92 Jahren gestorben. Nach seinem Tod sollte die Gesamtkollektion von bis zu 1000 Jahre alten Brokaten, Teppichen, Bronzen, Miniaturen und Bucheinbänden vom Museum übernommen werden. Die Sammlung sei von de Unger gleichsam „um die großen Museumssammlungen herum zusammengestellt“ worden, hatte Claus-Peter Haase, Webers Vorgänger, erklärt. Und Sohn Richard de Unger sagte dem Tagesspiegel: „Natürlich möchten wir die Sammlung an einem passenden Museum für ein großes Publikum öffnen – wie es unsere Intention war, als wir den Vertrag in Berlin unterschrieben haben.“

Daran wird er sich künftig messen lassen müssen. Ganz unbegründet ist die Befürchtung nicht, dass die dank „Sammlerglück“-Katalog und wissenschaftlicher Aufarbeitung im Wert gestiegene Sammlung zumindest partiell verkauft werden könnte, ungeachtet der vierzigjährigen Beziehung Edmund de Ungers zum Berliner Museum. Böse Zungen sprechen bereits vom „Museum als Durchlauferhitzer“ für Investmentsammler.

Die laut Presseerklärung „grundlegend unterschiedlichen Vorstellungen zur weiteren Arbeit mit der Sammlung“ bieten Interpretationsspielraum. Generaldirektor Michael Eissenhauer zeigt sich dem Verstorbenen „zu großem Dank verpflichtet“, Sohn Richard – als „Ehrenkurator" noch auf der Homepage des Islamischen Museums genannt – wird hingegen mit keinem Wort bedacht. Nachfragen nützt nichts, beide Parteien müssen sich an eine Geheimhaltungsklausel im Auflösungsvertrag halten. Man darf spekulieren: Hat de Unger junior bewusst hoch gepokert, um den Vertrag zum Platzen zu bringen? Haben sich die Prioritäten der Berliner verschoben, so dass sie zur weiteren Aufarbeitung der unschätzbaren Sammlung nicht mehr bereit sind?

Die gute Nachricht: Jetzt sind Energien frei. „Nach dem Ost-West-Zusammenschluss 2001 haben wir schmerzhafte Kompromisse machen müssen. Großartige Stücke landeten im Depot“, so Stefan Weber. Seit drei Jahren wächst die Zahl der Besucher, Weber erwartet nicht, dass wegen der Keir-Schlappe weniger kommen werden. 2019 zieht das Museum in den Nordflügel des Pergamonmuseums, laut Weber ohne nennenswerte Auszeit. Aber auch ohne de Ungers Schätze.

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