Kultur : Kent Nagano bleibt bis 2008 in Berlin

jök

Kaum passen sie alle aufs Podium, die Gesellschafter, Berater, Intendanten und Dramaturgen des Deutschen Symphonie-Orchesters (DSO) und seiner Dachorganisation, der Rundunkorchester und -Chöre GmbH (ROC). Alle freuen sich, dass Kent Nagano bis 2008 für weitere fünf Jahre in Berlin das DSO leiten wird. An der Spitze Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, der anlässlich von Naganos Vertragsunterzeichnung im Automobilforum Unter den Linden die Bereitschat des Bundes unterstrich, an der lange umstrittenen ROC festzuhalten. Das Einlenken des Bundes hatte im vergangenen Jahr die Erhöhung des seit 1994 eingefrorenen ROC-Etats ermöglicht. Die eine Million Euro, die die Gesellschafter (neben Bund und Deutschlandradio noch das Land Berlin und der SfB) künftig jedes Jahr proportional zu ihrer Beteiligung an der ROC zuschießen werden, soll allein dem DSO und den künstlerischen Projekten Naganos zu Gute kommen. Was wiederum Nagano freute, der sein Engagement in Berlin in der kommenden Spielzeit noch ausweiten und 30 der fünfzig Berliner Sinfoniekonzerte des DSO dirigieren wird. Zur Freude seines Chefdramaturgen Dieter Rexroth, der somit seine innovative Programmgestaltung des Konzerts als "Forum für experimentelle Untersuchungen unseres Musikrepertoires" fortsetzen darf - und für die nächste Saison Projekte wie die Kombination des vierten Aktes aus Schotakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk" mit Ausschnitten aus Bernsteins "West Side Story" plant. ROC-Intendantin Bettina Pesch, an deren Amtsantritt sich der Konflikt mit Nagano entzündet hatte, freute sich darüber, dass sie bleiben darf, und der von Nagano als Berater installierte Ex-Chef der Berliner Festwochen Ullrich Eckhardt darüber, dass er mit dabei sein darf. Ob all diese Freude echt ist? In Naganos Vertrag gibt es übrigens eine Rücktrittsoption nach drei Jahren. Man weiß ja nie.

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