Kultur : Kerne vom Baum der Erkenntnis

Cornelia Schmidt-Bleek in der Galerie Kamm

Nicola Kuhn

In vielen Zeichnungen, Skulpturen, Installationen der Berliner Künstlerin Cornelia Schmidt-Bleek kreuzen sich die Themen Natur und Gesellschaft. Fast scheint es, als schlage sie mit jeder Ausstellung ein weiteres Kapitel der Botanik auf, um von dort aus sozialen Fragen auf den Grund zu gehen. Nach der Rose, dem Mohn, der Pong-Frucht ist sie beim Apfel angelangt, der wie kaum ein anderes Naturprodukt die Verbindung zum Menschen nahelegt. Doch statt bei Adam und Eva zu beginnen, setzt Schmidt-Bleek mit Isaak Newton ein, zu dessen Gravitationstheorie ein fallender Apfel der Auslöser war. In der Galerie Kamm rekonstruiert sie mit einem Vorhang, der aus aufgefädelten Apfelkernen besteht (9500 Euro), den Raum unter jenem berühmten Baum der Erkenntnis, der bis heute in England als Nationalerbe gehütet wird.

Damit hat Schmidt-Bleek ein Kraftzentrum geschaffen, das zugleich einen Bogen zur Computertechnik schlägt, denn die Kerne erinnern an Lötstellen auf Leiterplatten. Zugleich ist eine Verbindung zum Apple-Computer hergestellt, auf dessen Logo anfänglich Newton zu sehen war. Schmidt-Bleek zeigt dieses Urlogo als Furnierarbeit (4500 Euro), erinnert damit an das rousseausche Denken der Computerpioniere und die Hippiebewegung jener Zeit. Der Faden ließe sich offensichtlich unendlich weiterspinnen; Schmidt-Bleek hat ihn am einen Ende gepackt und daraus ein Erkenntnis-Stück ganz eigener Art gemacht.

Galerie Kamm, Rosa-Luxemburg-Str. 43/45, bis 21. 10.; Di–Sa 11–18 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben