Kultur : Kertész: Auschwitz hebt die Literatur auf

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Der ungarische Schriftsteller Imre Kertész hat gestern in Stockholm die Erfahrung des Konzentrations und Vernichtungslagers Auschwitz als Kern seiner literarischen Arbeit und der zeitgenössischen Kultur generell bezeichnet. Drei Tage vor der Entgegennahme des Nobelpreises für Literatur sagte der 73-Jährige bei der traditionellen Nobelvorlesung, er kenne keine „wirklich gute authentische Kunst“, in der er nicht den durch Auschwitz und dem Holocaust symbolisierten Geschichtsbruch spüren würde. Kertész hat als erster Ungar den Nobelpreis vor allem für sein Buch „Roman eines Schicksallosen“ zuerkannt bekommen, in dem er die eigene Erfahrung als jugendlicher Häftling in Auschwitz 1944 literarisch aufarbeitet. Im Nobelvortrag sagte er: „Wenn jemand über Auschwitz schreibt, muss ihm klar sein, dass Auschwitz die Literatur – wenigstens in einem bestimmten Sinn – aufhebt.“ Über diese Erfahrung könne man nur in einem „schwarzen Roman“ schreiben. Kertész erklärte weiter: „Womit ich sagen will, dass seit Auschwitz nichts geschehen ist, was Auschwitz aufgehoben, was Auschwitz widerlegt hätte. Der Holocaust konnte in meinem Werk niemals in der Vergangenheitsform erscheinen.“ Der Schriftsteller erhält den Nobelpreis am Dienstag in Stockholm. Das Preisgeld beträgt in diesem Jahr 10 Millionen Kronen (1 Millionen Euro). dpa

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