Kultur : Kertész wehrt sich gegen ungarischen Antisemitismus

-

Literaturnobelpreisträger Imre Kertész prangert in der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstag) den seit Jahren im ungarischen Schriftstellerverband herrschenden offenen Antisemitismus an. Er begrüßte die ProtestWelle seiner Kollegen: Mehr als 100 Schriftsteller, darunter Péter Nádas, Péter Esterházy und György Konrád, sind als Reaktion auf antisemitische Äußerungen des Vorstandsmitglieds Kornél Döbrentei aus dem Verband ausgetreten. „Die Schriftsteller haben sich die ihnen gestohlene Sprache zurückgeholt, und ihre Aussagen zur Nation werden künftig einen anderen Gehalt und stärkeres Gewicht haben. Ein Mythos ist in Ungarn zu Ende gegangen“, schreibt Kertész, der dem Verband selbst seit langem nicht mehr angehört. Anlass für die Austritte waren die antisemitischen Äußerungen des Schriftstellers Döbrentei auf rechten Kundgebungen und in den Medien. Unter anderem hatte er gesagt, die Rassengesetze in Ungarn während der Nazi-Zeit seien zur Rettung der Juden gedacht gewesen. Schriftstellerverbands-Präsident Márton Kalász hatte Döbrentei in Schutz genommen und dafür die Meinungsfreiheit geltend gemacht. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar