Kultur : Kerzenstück

Kunstpreis der Akademie geht an George Brecht

Kaspar Renner

Acht Radios aus den 50er Jahren, auf ihnen jeweils eine Kerze, stehen im Rampenlicht. Nach auf Karteikarten notierten Anweisungen werden sie in wechselnder Frequenz und Lautstärke bespielt, bis alle Lichter erlöschen. „Candlepiece for Radios“, eine Ereignis-Partitur George Brechts, verwirklicht wie andere Werke des Fluxus-Künstlers ein Klang-Ereignis im Sinne John Cages, das gleichzeitig kalkulierten Vorgaben und dem Zufall folgt.

Bei der Verleihung des Kunstpreises Berlin 2006 der Akademie der Künste ist George Brecht aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend. Symbolisch stellvertreten wird er von seinem Werk „Chair Event“ (1969) – einem Stuhl mit Spazierstock und Orange – das an arrangierte Gebrauchsgegenstände bei Marcel Duchamp erinnert. Die Verschränkung der Konzepte Cages und Duchamps, so die Juroren, zeichne George Brecht aus.

Geehrt wird das Lebenswerk eines Künstlers, dessen Werk die Frage stellt, ob „Leben“ sich in Daten fassen lässt: Er gab sich verschiedene Geburtsorte und -tage (1924 in Minnesota; 1925 in Oregon; 1926 in New York) und wandelte seinen Namen von MacDiarmid in Brecht. Sein Schaffen ist von Naturwissenschaft und fernöstlicher Philosophie geprägt; es geht ihm nicht um Gegenstände, sondern um Ereignisse, seine Kategorie ist nicht Raum, sondern Zeit.

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