Kultur : Kesselmystik

Eigentlich ist Kaeseberg eine Entdeckung aus dem Talentschuppen der Galerie Eigen + Art, aber die Galerie Holtmann widmete ihm schon 1992 eine erste Einzelausstellung in Köln. In Berlin, in der Auguststraße angekommen, präsentiert Holtmann ihn erneut. Zu sehen sind Werke der letzten beiden Jahre: Gemälde (15 000 bis 18 000 Mark) und Arbeiten auf Papier (4800 bis 6800 Mark).Der Leipziger Künstler, der eigentlich Tomas Fröbel heißt, arbeitet mit erdigen Kaseinfarben und Acryl auf transparentem Seidenpapieren. Schriftzüge bedecken die fragilen Bögen. Sie haben sich auf den Bildgründen abgelagert wie flüchtige Sedimentschichten. Die mehrfach übermalten Schriftfragmente sind teilweise kaum noch zu entziffern. Doch gerade bei Pergament hat das Geheimnisumwitterte seinen besonderen Reiz.Abstrakte Zeichen stehen im Vordergrund. Im Vergleich zur vorangegangen Serie "private voodoo" erinnern sie weniger an Symbole alter Kulturen, sondern stellen sie Bezüge her zur konstruktivistischen Tradition. Geometrische Grundformen wie Kreuz oder Dreieck überwiegen, der Bildraum ist in horizontale Rechtecke oder vertikal angeordnete Quadratfelder geteilt. Weiße, nahezu "leere" Farbzonen gewinnen an Bedeutung. Mysthisches klingt bei Kaesebergs archetypischem Zeichenfundus verhalten an. Er arbeitet mit Chiffren und Emblemen, die durch jahrtausendelangen Gebrauch eine Patina an Bedeutung angesetzt haben wie ein uralter Kupferkessel. Man kann noch so viel schrubben, die Ablagerungen vergangener Zeiten bleiben haften. Genau das will Kaeseberg: eine Ambivalenz zwischen mythologisch aufgeladenen Symbole und der neutralen Selbstbezüglichkeit abstrakter Formen. Er spricht eine einfache, klar strukturierte Bildsprache, ohne aber auf assoziative, persönliche Deutung zu verzichten. EK

Galerie Holtmann, Auguststr. 19, bis 25. September; Mittwoch bis Freitag 14-19Uhr, Sonnabend 12-16 Uhr. Katalog 45 Mark.

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