Kultur : Khyentse Norbu zeigt, dass auch Mönche Fußball spielen dürfen

Alexander Pajevic

Fußball und Mönche, das ist schon eine irritierende Vorstellung. Allenfalls in Italien könnte man sich ja vielleicht kickende Brüder vorstellen, aber nun ausgerechnet buddhistische Mönche im Himalaja? "Spiel der Götter" heißt der Film, in dem die unwahrscheinliche Verquickung der beiden Welten gelungen ist - eine bhutanisch-australische Koproduktion, die bei den vergangenen Filmfestspielen in Cannes zum Publikumsliebling gekürt wurde. Buch und Regie führte Khyentse Norbu, der zu einer Benefizaufführung des Werkes in Berlin zu Gast war; bedacht werden soll das indische Kloster, in dem gedreht wurde.

"Der eigentliche Anlass für den Film war, dass ich der Welt zeigen wollte, dass Mönche auch nur Menschen sind", sagt Norbu. Und man sollte ihm das durchaus glauben, denn Norbu ist von Haus aus keineswegs Filmemacher - dies ist sein erster Spielfilm; zuvor hatte er lediglich ein paar Kurzfilme gedreht - sondern unter seinem geistlichen Titel Dzongar Jamyang Khyentse Rinpoche ein bedeutender Lama des tibetischen Buddhismus. 1968 wurde er im Alter von sieben Jahren als Reinkarnation des religiösen Erneuerers Jamyang Wampo aus dem neunzehnten Jahrhundert erkannt und daraufhin bis zu seinem zwölften Lebensjahr in einem Kloster großgezogen. Später setzte er seine religiöse Ausbildung in Indien fort; unter anderem gehörte der Dalai Lama zu seinen Mentoren. Norbu, der heute mehrere Klosterschulen verwaltet, ist erst spät mit dem Medium Film in Berührung gekommen. Im abgelegenen Bhutan groß geworden, sah er das erste Mal im Alter von dreizehn Jahren einen Fernseher. Und tatsächlich, sagt er, habe erst ein Besuch in London, wo er unter anderem Filme wie Vittorio de Sicas "Fahrraddiebe" kennen lernte, seine Begeisterung geweckt. "Er ist so wahr, er zeigt die Realität so deutlich", sagt Norbu. "Als Buddhist will ich die Realität und nicht die Illusion kennenlernen." Erste praktische Erfahrung sammelte er bei den Dreharbeiten zu Bernardo Bertoluccis "Little Buddha", bei denen er als Berater tätig war.

In "Spiel der Götter" erzählt Norbu jetzt die Geschichte von zwei Novizen, die mit ihrer Leidenschaft für die Fußballweltmeisterschaft ein buddhistisches Kloster in Aufregung versetzen. Gedreht wurde mit Laiendarstellern - die wirklich Mönche sind und tatsächlich hat Norbu eigene Erfahrungen in dem Drehbuch verarbeitet. Allerdings war er in der Rolle desjenigen, der andere beim Fußballspielen erwischt hat; er selbst hat den Sport erst während der Dreharbeiten schätzen gelernt. 90 Prozent der Handlung , sagt er, beruhe auf Tatsachen; den Rest seiner Erlebnisse habe er herausnehmen müssen, weil man es ihm einfach nicht geglaubt hätte.

"Viele glauben, dass Mönche wie Gott sind: Gott isst nicht, trinkt nicht und sieht nicht Fußball", sagt Norbu. "Aber Mönche sind Praktiker und das heißt, sie sind nicht perfekt." Er wehrt sich gegen die Vorstellung, dass seine Religion Enthaltsamkeit und Strenge lehrt: "Buddhismus ist nicht gegen Spaß gerichtet. Menschen habe gerne Spaß, ich auch. Der Konflikt kommt erst, wenn es darum geht, wie man Spaß hat."

Dennoch zieht Norbu sich alljährlich für bis zu sieben Monaten im Jahr zur Meditation in die Einsamkeit von Klöstern zurück und so begegnet er dem großen Interesse an seinem Erstling mit staunenswerter Gelassenheit und Ruhe. Erfolg und Lob seien eine große Falle, das weiß er wohl: "Aber Buddha sagt, wenn man sich dessen bewußt ist, kann man über die Fallen laufen und hat dabei sogar Spaß." Eine Idee für einen neuen Film hat er auch schon und wieder soll es um das Aufeinanderprallen östlicher und westlicher Lebenswelten gehen - um Aidsaufklärung in den entlegenen Bergdörfern Bhutans.

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