Gachnang-Radierungen für moderate 330 Euro

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Kienzle Art Foundation-Ausstellung : Im Stadtwald
Jens Müller
Der Orient als Vorbild: Die Radierung "Projet d'un repoir dédié à Charles-Louis Meryon" stammt von 1968 und ist das erste Blatt der Mappe "Die neue historische Architektur des Johannes Gachnang - Das byzantinische Reich".
Der Orient als Vorbild: Die Radierung "Projet d'un repoir dédié à Charles-Louis Meryon" stammt von 1968 und ist das erste Blatt...Foto: Eric Tschernow


In einer Vitrine steht nicht nur jener Band von Walter Benjamin, sondern auch Robert Walsers „Mikrogramme“. Nun lassen sich die Schweizer Künstler, die sich nicht irgendwie und sowieso auf Robert Walser berufen, an einer Hand abzählen. (Hans Ulrich Obrist hat einmal eine „Museum Robert Walser“ bezeichnete Vitrine kuratiert.) Aber der Betrachter möge sich einer der Radierungen der Mappe „Die neue historische Architektur des Johannes Gachnang“ einmal langsam aus der Entfernung einiger Meter nähern. Aus Flächen in verschiedenen Nuancen von Grau werden klitzekleine Schachbrettmuster werden mikroskopisch kleine Schraffuren. Der Gedanke an Walsers jahrzehntelang als unentzifferbar geltende, ohne Zeilenabstände auskommende Schrift der Mikrogramme ist da einmal nicht weit hergeholt.

Kostenpreis der Burkhard-Fotografie: 29000 Euro

Ob die Kuratorin ihr suggestives, Zusammenhänge aufzeigen wollendes Konzept am Ende übertreibt, wenn sie neben ein Mexico-City-Luftbild von Balthasar Burkhard noch die aktuelle Aufnahme eines Flüchtlingslagers an der jordanisch-syrischen Grenze hängt – der Betrachter möge selbst entscheiden. Natürlich war Gachnang mit dem großen Schweizer Fotografen bekannt: „Das Dunkel im Bild erzählt von den Energien der täglich wachsenden Stadt, gleichzeitig von der anderen Kraft, wie wir sie von den Holzschnitten von José Guadalupe Posada kennen oder den Gemälden Diego Riveras.“

Immerhin ist Mandel Gnans Foto für 350 Euro (brutto) die mit Abstand preiswerteste Arbeit der Schau. Die nämlich eine Verkaufsschau ist. Nicht alle Arbeiten sind käuflich, aber viele. Am teuersten ist die Burkhard-Fotografie für 29000 Euro. Die Radierungen von Johannes Gachnang, überwiegend in Auflagen von 60 Exemplaren erschienen, kosten 1700 oder 1900 Euro. Es sind schließlich keine einmaligen Noldes, wie Angelika Arras mit Blick auf das zugeknöpfte Verhalten der Schweizer Museen sagt. Vermutlich deshalb bietet Hanspeter Heidrich seinen Gachang („Cénotaphe pour Jean-Jacques Lequeu, l'inventeur du mauvais goût“) in seiner Kunsthandlung für moderate 330 Euro (netto) feil.
Kienzle Art Foundation, Bleibtreustr. 54; bis 18.7, Do–Fr 14–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr

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