Kultur : Killerpilze

Diese Woche auf Platz 18 mit: „Invasion der Killerpilze“

Ralph Geisenhanslüke

Um die wichtigste Frage sofort zu beantworten: Die Killerpilze sind keine neue Modedroge. Dies zur Beruhigung aller Eltern. Man weiß ja nie so recht, was die Jugend sich heuer so reinpfeift. Nein, die vier Buam aus Dillingen an der Donau haben sich ganz der Musik verschrieben. Einer historischen Musik, dem Punk-Rock. Der war eigentlich schon tot, bevor Jo, Mäx, Fabi und Schlagi geboren wurden. Aber mei, die tun nix, die wollen nur spielen. Sie sind vielleicht keine Pilzköpfe, aber rocken tun sie wie die Altvorderen. Klingt beinah wie Papas Scheiben von den Toten Hosen.

Die Killerpilze sind 13 bis 17 Jahre alt. Ihr Name mag klingen, als stünden sie noch mit einem Bein im Laufstall. Doch bereits im Opener ihres Albums krähen sie: „Ich hasse Regeln und Verbote, denn die sind mir total egal.“ In seiner Renitenz ähnelt der Song dem „Schrei“ von Tokio Hotel. Eine erste Selbstbehauptung gegen die Welt der Erwachsenen. Hier jedoch relativiert durch die altkluge Zeile: „Das ist nur ein Denkanstoß.“ Die Killerpilze sind so etwas wie das behütete westdeutsche Gegenstück zu den Magdeburgern (und werden zufällig von derselben Plattenfirma veröffentlicht). Sie wirken natürlicher. Sie benutzen keinen Kajalstift, Turnschuhe und Kappen sind nicht so wichtig. Bei ihnen steht schon „Blümchensex“ auf dem Programm.

Vor dessen Vollzug hat die Natur die Phase der Anbahnung gesetzt. Und in der fühlen sich die Pilze „Richtig Scheiße (auf ’ne schöne Art und Weise)“. So heißt ihr erster Hit, der von unerhörter Verliebtheit handelt. Davon, dass auch hitziges Drängen nicht zum Erfolg führt. Das muss man erst lernen. Hinterher ist man immer klüger. Hinterher ist man immer ein anderer. Selbst die spießige Angebetete verwüstet im dazugehörigen Video ihr Kinderzimmer. Irgendwann kommt eben für jeden der Tag, wo man den Lolli beiseite legen muss. Wenn man Glück hat, tauscht man ihn gegen ein Mikrofon.

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