Kinder- und Jugendtheater in Berlin : Große Kunst für kleine Leute

Auf Einladung des Kulturausschusses konnten fünf Leiter von Kinder- & Jugendtheatern im Abgeordnetenhaus von den Erfolgen und Sorgen der Berliner Szene berichten.

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Szene aus dem "Doppelten Lottchen" im Atze Musiktheater.
Szene aus dem "Doppelten Lottchen" im Atze Musiktheater.Foto: Atze Musiktheater

Aus Berlin kommt ausgezeichnetes Theater für junge Menschen: Gerade hat das Grips-Theater in Mühlheim den Kinderstücke-Preis gewonnen, das Theater an der Parkaue kam jüngst vom Heidelberger Stückemarkt mit dem Preis für das beste Jugendstück zurück. Dafür gab es bei der Sitzung des Kulturausschusses am Montag viel Lob von den Abgeordneten. Zur Anhörung geladen allerdings hatte das Parlament die Intendanten von Grips und Parkaue, sowie vom Theater Strahl, dem Kindermusiktheater Atze und dem Spandauer Theater Zitadelle aus einem anderen Grund: Auf Antrag der Piraten und der Linken sollten die fünf Kulturmacher von den Sorgen und Nöten der Kinder- und Jugendtheaterszene berichten, stellvertretend für die insgesamt 87 Berliner Gruppen in diesem Bereich.

Was sie dann auch auf bewegende Weise taten – nicht in dem Jammerton, den die Chefs der üppig alimentierten Staatsbühnen üblicherweise vor dem Gremium anschlagen, sondern mit einer Leidenschaft, die in einer tiefen Liebe zu ihrem Genre wurzelt. „Wir müssen die Kinder von heute mit den traditionellen Theatertechniken vertraut machen“, rief Grips-Chef Stefan Fischer-Fels, „damit sie nicht als künftiges Publikum den Erwachsenenbühnen verloren gehen.“

Wie in der Off-Szene auch arbeiten die meisten Theatermacher im Kinder- und Jugendbereich dauerhaft nach dem Prinzip der Selbstausbeutung. Atze-Gründer Thomas Suter berichtete, dass er seinen freiberuflichen Schauspielern 120 Euro pro Vorstellung zahlen kann. Seine fest angestellten Mitarbeiter verdienen höchstens 1700 Euro brutto. Nur so ist es möglich, dass Atze, Grips, Strahl und Parkaue für rund 305 000 Besucher im Jahr spielen können.

Das entspricht der Hälfte der Zuschauer, die Berlins Opernstiftung erreicht, rechnete Wolfgang Brauer von der Linken vor. Bei den Zuschüssen allerdings, fügte er hinzu, kämen die vier Truppen zusammen nur auf ein Zehntel der Musiktheaterförderung.

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